2012


ericcantona.blogsport.de wünscht euch allen ein frohes Neues. Hoffen wir auf wieder vollen Wind in unseren Segeln, eine Rückbesinnung auf tatsächliche Werte unserer Kurve und allzeit einen vollen Becher! Wir sehn uns beim Fankongress!

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Ya Basta! Nr.27 / Dezember 2011


Aus Nürnberg erreichte mich nun das aktuelle Ya Basta!-Heft von den Ultras. Aufmachung und Verarbeitung lassen einen Vergleich mit dem bundesweit erscheinenden Blickfang Ultra nicht nur zu, sondern legen dem gegenüber gleich noch eine Schippe drauf. Eins A recherchierte Texte, gute hintergründige Informationen und der Blick über den Tellerrand hinaus geben Anlass das Machwerk als Magazin sehr wohl auf Platz Eins in Deutschland zu setzen. Aber eben als Magazin, denn bei so viel Professionalität muss auch gefragt werden, ob es das ist, was Ideal und Ziel der Ultras ist? Oder ist es trotz all den Verbesserungen, die die Ultrabewegung Deutschlands in den letzten Jahren erfahren hat, nicht immer noch Credo den D.I.Y.-Gedanken hochzuhalten, der das Mitwirken von vielen Fans ermöglicht!? Zugespitzt ließe sich auch fragen, ob das Vorbild mancher Gruppen inzwischen die „Irriducibili GmbH“ ist? Anerkennend muss das Heft trotzdem weit oben angesiedelt werden, was die Fanzine-Landschaft anbelangt. Kaufen kann man es sich also sehr wohl. Und bei all der Anerkennung sei auch diese der Nürnberger noch kurz erwähnt, kommt es einem doch fast so vor, als würde man die Hansa-Szene über den grünen Klee hinaus loben wollen. So heißt es etwa zu der Pyroshow bei der Frankfurter Eintracht, dass diese „eine der Besten [war], die in Deutschland je gezeigt [wurden].“ Auch wenn ich noch nicht gänzlich durch bin, werde ich beim Lesen sicher noch einige Freude haben,

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Studierende versus Staat?

Im aktuellen GegenStandpunkt-Heft findet sich ein sehr aufschlussreicher Artikel über eine Politikberatung der bayerischen Landes-ASten-Konferenz für den heimischen Landtag. Da lernt man eindrucksvoll, wie Studierendenvertretung besser nicht gemacht wird: kooperativ. Um gegen Studiengebühren mobil zu machen, pochen die ASten nicht etwa auf die materiellen Interessen ihrer Klientel, also dass die Studiengebühren für die schlicht und ergreifend untragbar sind und den Lebenunterhalt der StudentInnen streitig machen. Stattdessen rechnen sie der christlich-sozialen Landesregierung vor, dass das für das große bayerische Ganze nicht gut ist, wenn wegen Studiengebühren u.a. die potenziellen StudentInnen woanders hin flüchten. Interessenvertretung sieht anders aus. Reinschnuppern kann man schonmal bei dem Nürnberger Ableger des GegenStandpunktes, der Sozialistischen HochschulGruppe.

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„Streunende Köter – Cani Sciolti“

Das Buch „Streunende Köter – Cani Sciolti“ wird derzeit ja viel rumgereicht in der Fußball- und Ultrawelt. Ich habe es geschafft das gute Stück pünktlich zum Pestresttestfest auszulesen und bin geteilter Meinung ob des dargebotenen. Domenico Mungo, seines Zeichens Anhänger von Florenz, zeichnet ein authentisches Bild der Ultras in Italien und nicht zuletzt von sich selbst als Ultra, doch der Rahmen wirkt ein wenig konfus. So beschreibt der Autor seine imaginierte Flucht vor den Repressionsorganen, als diese zum Schlag gegen die Ultra-Schriftsteller-Gemeinde ausholen. Er flieht in die Schweiz und erzählt dabei imaginierte per Mail eingesandte und eigene Geschichten, die sich in den Jahren der Ultra-Bewegung Italiens zugetragen haben. Die Schizophrenie, auch des Ansehens der Ultras in der Öffentlichkeit, wird vielleicht durch dieses Zitat aus dem Buch ganz gut deutlich und spiegelt sich ähnlich ja auch in Deutschland wider:

Es [die riesigen Choreografien] war die Apotheose der Megagruppen. Als die führenden Gruppen der Kurve es schafften, eine Choreo zu realisieren, die tausende Fans und nicht nur Ultras umfasste und bedeutete, dass die Stadt in deinen Händen lag. Und die Medien interessierten sich auch dafür, was du jenseits der Gewalt an Positivem hervorbrachtest. In dem Fall warst du der zwölfte Mann. In dem Fall küssten dir alle den Arsch. In dem Fall warst du die kreative und gesunde Seite des Supports… Trotzdem waren das immer und trotz allem wir. Die Ultras.

Unterm Strich muss ich sagen, dass sich der Kauf insofern gelohnt hat, als dass ich ohnehin literarisch so ziemlich alles aufsauge, was mit aktiver Fankultur und Ultras zu tun hat. Da kann ich auch mal etwas konfuser geschriebenes, solange sich die Zusammenhänge herstellen, in Kauf nehmen. Wer literarisch Hochwertigeres verlangt, der sollte sich das Buch lieber von wem ausleihen. Mit Tifare Contro, um den Vergleich mal zu wagen, kann es bei weitem nicht mithalten, doch hat „Cani Sciolti“ ja auch nicht den Anspruch einigermaßen objektiv zu erzählen.

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Hansa Rostock vs. Dynamo Dresden

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Livorno versus Babelsberg

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Wir wollen keine Bullenschweine!

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Hansa. Oggi Piu Che Mai!

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Solidarität mit Andre

Die Banda di Amici aus Nürnberg rufen zur Solidarität mit Andre, einem ihrer Mitglieder auf, das nach dem Auswärtsspiel des Clubs in Köln vor einen Zug fiel und einen Arm verlor. Spenden erreichen diesmal also fraglos einen guten bzw. bedürftigen Ort. Auch von hier Gute Besserung!

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Auf der Straße, im Ostseestadion und im wahren Leben: Pure Vernunft darf niemals siegen!

In den vergangenen zwei Tagen prasselte – nicht ganz zu Unrecht – einige Kritik hier und andernorts auf mich ein, die sich im Wesentlich auf meinen Bericht zur Begegnung des F.C. Hansa mit dem FC St.Pauli befasste.4 Die Kommentare lasse ich an dieser Stelle mal unter jenem Bericht so stehen. Und in der Tat unterschied er sich ja von sonstigen und war deutlich weniger kritisch. Ich lasse ihn – trotz der Kritik – aber stehen, als schändliches, wie wohl die Italiener sagen würden, und zugleich mahnendes Beispiel. Ein Beispiel dafür, dass ich mich natürlich genauso wenig einer Ultra-Ideologie, wenn man sie denn so bezeichnen will, entziehen kann und irgendwie auch will, als andere. Und als Beispiel dafür in welchen Widersprüchen sich diese Ideologie bewegt. Denn, wie schon die italienischen Ultras 1995 nach dem Tod von Vincenzo Spagnolo konstatierten, ist diese Welt der Ultras „trotz all ihrer Widersprüche, doch [eine] freie und wahre Welt“. „Frei“ vor allem, weil sie gesellschaftliche Räume öffnet, die sich einer gewissen staatlichen Regulierung entziehen und damit Entfaltungsmöglichkeiten erschließt, die unter normalen Umständen wohl nicht da wären. Welcher Art diese Entfaltungsmöglichkeiten sind, dazu (hoffentlich) gleich mehr. Und „wahr“, weil bei den Ultras schlicht nicht das Geschwätz, sondern die Tat entscheidet. Nicht das mediale Aufgeblase und zunächst auch nicht die ganz kritische Reflexion.
Tatsächlich war vorangegangener Bericht vom Spiel zwischen Hansa Rostock und Sankt Pauli eher nicht reflektiert. Das war er vor allem nicht, weil ich mich eben auch in der Welt der Fußballfans und Ultras mehr oder weniger bewege und dieses Spiel eben mitspiele. Dieses Spiel ist dabei nicht etwa eine faire Sache, auch wenn sich die Beteiligten das gern vormachen. Dieses Spiel dreht sich vor allem um identitäre Leistungsvergleiche zwischen Szenen, die dazu noch ihre ganz eigene Mentalität „verfolgen“. Verfolgen in dem Sinne, als dass sie sich hehre Ziele schaffen, unter deren Vorzeichen – ihrer Meinung nach – die Leistungsvergleiche vonstatten zu gehen haben. Da unterscheidet sich die Fanszene vom FC St.Pauli so wenig von der in Rostock, der in Dortmund oder in Stuttgart. Sie alle wollen sich gegeneinander beweisen, wie toll, hart, kreativ, brachial, ausgefuchst und letztlich überlegen sie sind. Das Maß ist die Mentalität, der die verschiedenen Gruppen und Fanszenen nachrennen. Dass die Leistung, etwas darzubieten, allerdings zu erbringen ist, damit man sich beweist, ist dort nirgends strittig. Und das auch nicht in Fanszenen, wie der des FC St.Pauli, die auch so hehre Ziele von Menschlichkeit und Toleranz auf ihre Fahnen schreibt.
Am Sonnabend nun schossen Hansafans Raketen in den vollbesetzten Gästeblock des Ostseestadions. Auch Böller flogen. Damit wurde in Kauf genommen, dass andere Fans verletzt werden. Sie bewiesen damit, dass sie sich von Sankt Paulianern, die im Ostseestadion ihre Mannschaft bejubeln, nichts vormachen lassen brauchen. Sie gelten etwas, das machten sie klar. Ebenso klar machen die Sankt Pauli-Fans, dass sie im Gegensatz zu den Rostockern was gelten und sind, wenn sie letztere mit „Who the fuck is Hansa Rostock?“ gesänglich zu einem unbekannten Niemand herabwürdigen. Das Maß ist ein Unterschiedliches. Während die Fans vom FC St.Pauli also diesem Spiel, den Wettkampf um die beste Leistung und Geltung, auf der rein ideologischen Weise begegnen, gehen die Rostocker weiter. Sie lassen sich nicht durch Fans anderer Vereine ihre Identität, etwas zu sein und zu gelten, absprechen. Sie weisen sie in die Schranken und das in letzter Konsequenz durch Angriff auf die Physis und körperliche Integrität des Gegenüber. Das ist sicherlich extremer, verfolgt aber keine anderen Zwecke.
Diese Ideologie der Ultras ist kein Alleinstellungsmerkmal. Vielmehr ist sie gesellschaftlich allgegenwärtig, anerkannt und durchgesetzt. Das Verbotene daran ist die physische Durchsetzung eines Geltungsanspruches entgegen des staatlichen Gewaltmonopols. Mittels Recht und Gesetz schließlich darf und muss sich jeder in die Logik der Leistungsgesellschaft einordnen. Sei es am Arbeitsplatz oder in der Freizeit. Dass manche dabei auf der Strecke bleiben, wird gern ins Positive gewendet, dass man hierzulande ja einen Haufen von Möglichkeiten, sich zu beweisen und erfolgreich zu sein, hat. Wer aber eben auf der Strecke bleibt – jetzt erstmal ganz materialistisch – und unterm Strich entsprechend der Leistungsgesellschaft versagt, der muss zu sehen, wie er sich und seinem Ego Geltung verschafft. Und da ist der ideologische Knackpunkt. Das Ego. Denn wer nichts ist, kann sich zumindest mit Prestige und Anerkennung, also durch sein Ego, Erfolg verschaffen. Davon kann er sich nur müßig ernähren, aber immerhin. Wird ihm genau das in Frage gestellt, artet das mit unter eben auch in derlei Gewalttätigkeiten an Spielfeldrändern, Stadiontribünen oder des nächtens auf U-Bahnhöfen aus.1 Genau dieser Logik folgen die Ultras, folgen die Fans.2 Und genau deshalb klatscht das Publikum eines ganzen Fußballstadions bei einem Derby, wenn Raketen in den Block der Gäste fliegen. Das macht es ganz sicher nicht besser, aber entblößt zumindest die moralverwässerte Suche nach Schuldigen, wo sich hier doch eigentlich alle zu Schulidgen machen, die dieses Spiel mitspielen. Diejenigen die abschießen. Diejenigen die klatschen und anfeuern. Auch diejenigen, welche durch nicht andersgerichtete Verlautbarungen den Gegner in seiner psychischen Integrität attackieren, diesmal aber eben die physisch Getroffenen sind. Und nichtzuletzt all jene, die alltäglich das Leistungsprinzip als gesellschaftliches Ordnungsprinzip hoch halten.
Obendrein hat man es bei diesem Spiel, einem Derby der zweifelsohne besonderen Art, mit einer verschärften Zuspitzung zu tun. Das spielt für die Wahl der Mittel keine unerhebliche Rolle. Beide Seiten sind entsprechend motiviert ins Spiel gegangen. Im Kampf um Ruhm hat man diesseits und jenseits der Landesgrenzen eine ganze Menge in die Waagschale geworfen. Darf pure Vernunft also niemals siegen?3

  1. Zu empfehlen an dieser Stelle das Buch „Über die Unregierbarkeit des Schulvolks. Rütli-Schulen, Erfurt, Emsdetten usw.“ und dort insbesondere der Part zu Jugendgewalt als Ideologie von Freerk Huisken aus dem VSA-Verlag. [zurück]
  2. Das ist nicht die einzige Logik bzw. Mentalität, derer sich die Ultras und Fans verschreiben, aber immerhin doch eine derer, die auch im öffentlichen Diskurs eine prägende Rolle spielen. Sich mit diesem Irrsinn (wenn man ganz ehrlich und vor allem vernünftig ist, muss man das schlicht so benennen) zu befassen, kann also nicht nur die Fankultur nach vorn bringen, sondern auch mal fragen, welche Rolle dafür eigentlich die bürgerliche Gesellschaft spielt. [zurück]
  3. Oder doch „Fight the Game and fight the Player!“? [zurück]
  4. Dieser inzwischen gelöscht. Grund sind neuerliche Ereignisse… [zurück]
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