Archiv für August 2008

Ultra muss mehr…!

In der aktuellen Blickfang Ultra, der Nummer 8, gibt es auf den Seiten 4 und 5 einen Artikel Ultra kann mehr… von Eastsider, einem Ultra bei der SG Dynamo Dresden. Um ehrlich zu sein, war ich beim Lesen zunächst mehr als gefreut, fordert doch der Schreiberling eine konkrete Benennung des Problems und eine Kritik daran um schließlich nicht mehr nur gegen den modernen Fußball zu wettern. Er fordert also eine bisher weitestgehend fehlende Kapitalismuskritik. Dies ist nicht nur insofern zu begrüßen, dass nun endlich mit fast ausschließlich dem Kampf gegen die Symptome gebrochen wird, sondern auch weil es aus eine der besseren, führenderen deutschen Ultraszenen kommt, was, sofern es auch im Alltag der dortigen Szene ankommt, einen wichtigen Einfluss auf die restliche deutsche Szenerie haben kann, haben doch die führenden Szenen immer auch die weit aus größere Möglichkeit die anderen mit zu reißen, mit zu beeinflussen.
Aber nun auch mal zum Punkt meiner Kritik, macht der Eastsider im letzten Absatz doch aus politischer Sicht fatale Aussagen, die den Ultra von gestern, heute und morgen mit viel Frohsinn in die Arme von reaktionärer Kritik am Kapitalismus und den daraus falschen Folgerungen rennen lässt.

Ich möchte jetzt hier kein Loblied auf den Kommunismus / Sozialismus / klassenlose Gesellschaft oder sonstige Gesellschaftsformen singen, jedoch sollte man den Anspruch an sich selbst haben, nicht nur zu kritisieren, sondern auch über Alternativen nachzudenken. Eine systemkritische Haltung sollte allerdings ein jeder Ultra für sich beanspruchen. Eine gewisse Politisierung spielt dabei für mich eine große Rolle und zwar nicht vordergründig in rechts oder links, rot oder braun aber entschlossen gegen das System.

Was der Eastsider hier fordert ist also eine Querfront gegen den Kapitalismus entgegen aller Antagonismen, die es zwischen den Kommunisten auf der einen und den Faschisten und Demokraten auf der anderen Seite gibt und überspielt damit bewusst oder unbewusst klar die ökonomisch-gesellschaftlichen Unterschiede, die diese Ideologien mit sich bringen. Mit plumper BILD-Manier und Staatsräson wird ein politisches Bewusstsein eingefordert und im selben Atemzug gesagt, dass einzig die wie auch immer geartete Kritik am System notwendig ist und so der ideologische Einschlag zu Extremismus-Theorien gemacht, die rot und braun, rechts und links in einen Topf werfen.
Letztlich bleibt fest zu halten, dass es für Subkulturen, wie der Ultra-Kultur, nur fortschrittliche Kritik am Kapitalismus jenseits von Konstrukten wie Nation und Staat und dementsprechendes Handeln geben kann, wenn diese weiter bestehen wollen. Denn wo es Staaten gibt, wollen sich diese auch stark machen gegen alles was irgendwie ausschert und ihre Ordnung und die Prinzipien, nach denen die Gesellschaft funktioniert, die Prinzipien des Kapitals und dessen Profitzwang, in Frage stellen, ablehnen und eine Gegenöffentlichkeit aufbauen. Auf eben Subkultur fern ab vom Mainstream hat der Staat nur die Antwort der Repression.
Ernst zu nehmende Kapitalismuskritik kann also nur wider dem Staats- und Nationskonstrukt, kann also nur links, kann also nur rot sein.
zerstören - normieren - töten