Archiv für März 2009

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Subwave zu den Reaktionen der Braunen, weil die Fans des FC Hansa Rostock Pyrotechnik abbrennen.

St.Pauli vs. Rostock 3

Dieser Artikel wurde auf Indymedia erstveröffentlicht!

Am gestrigen Freitag abend fand das Nordderby der 2.Fussballbundesliga zwischen dem FC St.Pauli und dem FC Hansa Rostock statt und endete mit 3:2. Im Vorfeld der Partie hatten etliche Medien, darunter auch Indymedia, berichtet und eine Hooliganschlacht biblischen Ausmaßes befürchtet.

Die Partie zwischen den braunen Kiezkickern und der Hansa-Elf endete mit 3:2 für die Hausherren. Nachdem vor kurzem erst der Manager der Rostocker, Herbert Maronn, seinen Hut nehmen musste und für Rene Rydlewicz, einem langjährigen Hansa-Spieler, den Platz frei machen musste, ist dies nun auch das Aus für Hansa-Trainer Dieter Eilts.

Gleich während der ersten 5 Minuten hatten die Gäste von der Ostsee ihren Gegner 2 mal überlistet und eingenetzt, bestimmten in der Folge die zweite Hälfte weitestgehend und hatten das eine und andere Mal den dritten Treffer auf dem Fuß. Nach dem 1.Durchgang stand es also 2:0 für die abstiegsbedrohten Rostocker, die diese 3 Punkte gut hätten gebrauchen können. In der 2.Hälfte allerdings ließen sie den Biss vermissen und so sollte es zunächst ein Elfmeter sein, der den Braunen den Anschlusstreffer ermöglichte. Die Kiezkicker nun stärker im Spiel und drückender, sodass die Abwehrreihen der Blau-Weißen nicht standhielten und auch noch der Ausgleichstreffer und schließlich das den Sieg bringende 3:2 für die Hausherren fiel. Der FC Hansa verpasst mit dieser Niederlage den Anschluss an den zumindest halben Rettungsanker 16.Platz, der ihnen ein Relegationsspiel bereiten würde, und der FC St.Pauli wahrt sich die Möglichkeit am Ende der Saison den Gang in die 1.Liga antreten zu dürfen.

Im Vorfeld des Spiels wurde in der Presse und dem Internet viel geschrieben. Es ging um 6000 anrückende Hansafans unter denen massenhaft Rechtsextremisten sein sollten und die den St.Paulianer Kiez in Schutt und Asche legen sollten. Bereits im Hinspiel gab es Auseinandersetzungen zwischen den Fans beider Vereine, wodurch es zu Verletzten und Festnahmen auf beiden Seiten kam. Um ähnliche Szenen zu vermeiden wurde dieses Spiel als Sicherheitsspiel eingestuft und die Einsatzkräfte der Polizei auf 2500 erhöht. Außerdem setze die Polizei etliche Räumpanzer und 8 Wasserwerfer ein.
Als der Rostocker Sonderzug ankam, gab es bereits erste Rangelein mit Polizeibeamten, sodass es am Hauptbahnhof erste Festnahmen gab. Von den Fans des FC St.Pauli fanden sich auch etliche ein, die fotigrafierten oder ganz ultra-like den Feind ausspähen wollten. Ein Fan der Paulianer wurde hier ebenfalls festgenommen, als er einem Hansafan mit einer Gaspistole in den Kopf schießen wollte. Am U-Bahnhof Feldstraße nahe des Gästeblocks angekommen, erwartete die Hansafans ein massives Aufgebot der Polizei, hinter welchem Fans des FC St.Pauli standen und fleißig mit Bierflaschen warfen. Als die Rostocker entsprechend reagieren wollten, kam es erstmals zum Einsatz der Wasserwerfer.
Anzumerken ist, dass bereits hier klar war, dass die Zahl der Rechtsextremisten unter den Hansafans unbedeutend gering war und die Zahl 6000 der Mitreisenden viel zu hoch kalkuliert war. Es werden wohl zwischen 2000 und höchsten 2500 Hansafans in Hamburg gewesen sein am gestrigen Freitag.
Im Stadion gab es zum Intro bei den Heimfans eine hübsche Braun-Weiße Fähnchenchoreografie, während die Gäste mit einigen hundert „Scheiß St.Pauli“-Schals die seit mehr als einem Jahrzehnt andauernde Fanfeindschaft der Fanszenen würdigten.
Akkustisch boten sich beide Seiten ein gutes Duell. Bei den Fans des FC Hansa kam es dabei nicht, wie von Hamburger Seite zur Feindbildpflege gewünscht, zu rassistischen Parolen.
Die Gästeanhänger hatten ob der Brisanz des Spiels bis auf Gürteltaschen ein Verbot von jeglichen Taschen und auch Fahnen jeglicher Art auferlegt bekommen, was sie allerdings nicht daran hinderte in der Halbzeitpause eine sehr ansehnliche Show mittels Bengalischer Fackeln und Rauch dahinzuzaubern.
Nach dem Spiel sammelten sich zunächst rund 150, später 500 Fans des FC St.Pauli an einer Tankstelle hinter dem Gästeblock, die die Hansafans ordentlich verabschieden wollten. Während dessen versperrten Hundertschaften der Polizei den Rostockern den Weg zum U-Bahnhof, sodass sich diese etwa noch eine dreiviertel Stunde im Stadion aufhalten mussten. Als sie schließlich rausgelassen wurden, kam es vor dem U-Bahnhof erneut zu Flaschenwürfen seitens der Hamburger, sodass die Situation hier nun zu eskalieren drohte. Die Rostocker ihrerseits antworteten mit Leuchtraketen und Polenböllern, woraufhin die Paulifans ebenso mit Leuchtraketen agierten. Und natürlich sollte die Polizei, die vor dem Spiel bekannt gab, nicht lange fackeln zu wollen, auch zum Zuge kommen. Es wurde nicht nur der Schlagstock fleißig geschwungen, sondern auch massiv von den Wasserwerfern gegen beide Fangruppen Gebrauch gemacht.

Es hat sich also gezeigt, dass die Befürchtungen und die Hetze der Fans des FC Sankt Pauli und der Medien im Vorfeld umsonst waren. Es sind keine faschistischen Horden aus dem Osten in ihren vermeintlich bunten Kiez eingefallen. Die Polizei hat ganze Arbeit geleistet und konnte beide Fanlager weitestgehend voneinander trennen, es wurde allerdings deutlich, dass beide Szenen über ordentlich motivierte Leute verfügen.

Die anderen Spiele der 2.Liga vom gestrigen Abend endeten übrigens mit einem 1:0-Sieg des FSV Frankfurt über den 1.FC Kaiserslautern und einem 3:0-Sieg von Koblenz gegen Osnabrück.

St.Pauli vs. Rostock 2

In zwei Tagen ist es soweit, die beiden Teams und damit die Fanszenen treffen aufeinander.
Some Freaks are bigger than others!
Sportlich gesehen hat sich seit dem Hinspiel eine Menge getan. Nach dem 3:0 für Rostock begann für die Ostseestädter eine recht stetige Talfahrt, sodass sie dich inzwischen auf den hinteren Rängen versuchen gegen den Abstieg zu behaupten. Und genauso unterschiedlich, wie die Fanszenen sind, hat sich der sportliche Erfolg beider Teams entwickelt. St.Pauli arbeitet inzwischen am Aufstieg in die 1.Bundesliga. Sollte Rostock also gewinnen, steigt die Chance, dass sich beide Seiten im nächsten Jahr wieder gegenüber stehen. Wenn es andersrum endet, steigt die Gefahr, dass sich eine der besten deutschen Fanszenen eine weitere Liga nach unten begeben muss und im schlimmsten Fall ein sportlicher Zusammenbruch des beliebtesten Vereins der neuen Bundesländer.
St.Pauli-Block
Denke ich an das Spiel bekomme ich nasse Handflächen, mein Puls wird schneller, da wirds heiß. Über unterschiedliche Kanäle hieß es, dass Hansa mit 6000 Anhängern anreisen wird. Die Indyaner und gemeinen FC St.Pauli-Fans ließen in Anbetracht dessen ordentlich die Tasten im www klimpern. Während die Fans des sogenannten Kultvereins die braunen marodierenden Horden aus dem Osten befürchten, versuchen die Vernünftigeren aus den Rostocker Kreisen den Defamierungen zu begegnen, die Tatsachen richtig oder zumindest anders darzustellen.
Alte Liebe rostet nicht!
Dabei fällt auf, dass sich die Braun-Weißen gern darauf einlassen, dass alles was da von Rostocker Seite mit Gewalt daherkommt rechts sein muss, weil es ja gegen die vermeintlich linken Pauli-Fans geht, während die Hansafans sich leider Gottes auf das „unpolitisch„-Postulat zurückziehen. Dieses ist ihnen natürlich berechtigterweise anzukreiden, schließt dies doch die Toleranz von Rechten, solange sie sich da nur für Rostock zur Sau machen, tanzen, klatschen singen und was halt sonst noch anliegt, ein. Aus Rostocker Sicht ist allerdings bereits ein solches Statement, dass keine Politik im Block erwünscht ist, ein Stück weit ein Erfolg, sah die Situation doch vor einigen Jahren noch ganz anders aus, dass es nicht einmal ein Statement gegeben hätte oder vielleicht am Rande gar vom Zecken klatschen geredet worden wäre.
Pure Vernunft darf niemals siegen!
So traurig es klingen mag, schon ein Bekenntnis zur Unpolitik ist hier ein Stück weit ein Erfolg für die linken Fans, die sich vor Ort seit Jahren den Arsch aufreißen und so Stück für Stück eine angenehmere Kultur ermöglichen. Als Linker nicht mit der Angst bepöbelt zu werden in Stadion zu gehen, ist bereits ein Gewinn, den sich die Hetzer vom Kiez einmal durchdenken sollten. Durch die massive Mobilisierung von Antifaschisten zu diesem Spiel unter der Parole den vermeintlich faschistischen Horden der Rostocker Anhängerschaft einen bunten Kiez entgegenzusetzen kommt auch in Rostock an und macht vielleicht auch eine Menge von zu verzeichnenden Erfolgen, wie die Teilnahme mit eigenem Transparent an linken Demonstrationen der dortigen Ultras, wieder rückgängig, zumindest aber schwerer. Ein Umstand, der vielleicht auch mal bedacht werden sollte, wenn die bunten aus Hamburg in die Tasten hauen. Vielleicht sollte auch manchmal die Feindbildpflege in den Hintergrund die Betrachtung der Tatsachen in den Vordergrund gestellt werden.
Am Freitag werden also 6000 Hansafans erwartet. Darunter werden sicher auch einige von denen sein, die man auf dem Kiez fürchtet. Von 6000 Rostockern werden 1500 Karten haben, was heißt, dass etwa 3500 die Kneipen im Kiez besetzen.
Wann? Wo? Wieviele?
Genauso wie die bei den Hansafans, werden auch etliche St.Paulianer anreisen um rund ums Spiel noch irgendwie etwas zu erleben. Trotz ca. 2500 Bullen und entsprechendem Equipment der Staatsmacht wird es sicher an einigen Stellen krachen. Das Spiel wird auch in Zukunft als eines der politischsten gelten und in der Nacht zum Samstag werden hoffentlich alle glücklich und zufrieden einschlafen, weil alles gelaufen ist, wie es sollte.
Rostock: St.Pauli besiegen!!!