St.Pauli vs. Rostock 2

In zwei Tagen ist es soweit, die beiden Teams und damit die Fanszenen treffen aufeinander.
Some Freaks are bigger than others!
Sportlich gesehen hat sich seit dem Hinspiel eine Menge getan. Nach dem 3:0 für Rostock begann für die Ostseestädter eine recht stetige Talfahrt, sodass sie dich inzwischen auf den hinteren Rängen versuchen gegen den Abstieg zu behaupten. Und genauso unterschiedlich, wie die Fanszenen sind, hat sich der sportliche Erfolg beider Teams entwickelt. St.Pauli arbeitet inzwischen am Aufstieg in die 1.Bundesliga. Sollte Rostock also gewinnen, steigt die Chance, dass sich beide Seiten im nächsten Jahr wieder gegenüber stehen. Wenn es andersrum endet, steigt die Gefahr, dass sich eine der besten deutschen Fanszenen eine weitere Liga nach unten begeben muss und im schlimmsten Fall ein sportlicher Zusammenbruch des beliebtesten Vereins der neuen Bundesländer.
St.Pauli-Block
Denke ich an das Spiel bekomme ich nasse Handflächen, mein Puls wird schneller, da wirds heiß. Über unterschiedliche Kanäle hieß es, dass Hansa mit 6000 Anhängern anreisen wird. Die Indyaner und gemeinen FC St.Pauli-Fans ließen in Anbetracht dessen ordentlich die Tasten im www klimpern. Während die Fans des sogenannten Kultvereins die braunen marodierenden Horden aus dem Osten befürchten, versuchen die Vernünftigeren aus den Rostocker Kreisen den Defamierungen zu begegnen, die Tatsachen richtig oder zumindest anders darzustellen.
Alte Liebe rostet nicht!
Dabei fällt auf, dass sich die Braun-Weißen gern darauf einlassen, dass alles was da von Rostocker Seite mit Gewalt daherkommt rechts sein muss, weil es ja gegen die vermeintlich linken Pauli-Fans geht, während die Hansafans sich leider Gottes auf das „unpolitisch„-Postulat zurückziehen. Dieses ist ihnen natürlich berechtigterweise anzukreiden, schließt dies doch die Toleranz von Rechten, solange sie sich da nur für Rostock zur Sau machen, tanzen, klatschen singen und was halt sonst noch anliegt, ein. Aus Rostocker Sicht ist allerdings bereits ein solches Statement, dass keine Politik im Block erwünscht ist, ein Stück weit ein Erfolg, sah die Situation doch vor einigen Jahren noch ganz anders aus, dass es nicht einmal ein Statement gegeben hätte oder vielleicht am Rande gar vom Zecken klatschen geredet worden wäre.
Pure Vernunft darf niemals siegen!
So traurig es klingen mag, schon ein Bekenntnis zur Unpolitik ist hier ein Stück weit ein Erfolg für die linken Fans, die sich vor Ort seit Jahren den Arsch aufreißen und so Stück für Stück eine angenehmere Kultur ermöglichen. Als Linker nicht mit der Angst bepöbelt zu werden in Stadion zu gehen, ist bereits ein Gewinn, den sich die Hetzer vom Kiez einmal durchdenken sollten. Durch die massive Mobilisierung von Antifaschisten zu diesem Spiel unter der Parole den vermeintlich faschistischen Horden der Rostocker Anhängerschaft einen bunten Kiez entgegenzusetzen kommt auch in Rostock an und macht vielleicht auch eine Menge von zu verzeichnenden Erfolgen, wie die Teilnahme mit eigenem Transparent an linken Demonstrationen der dortigen Ultras, wieder rückgängig, zumindest aber schwerer. Ein Umstand, der vielleicht auch mal bedacht werden sollte, wenn die bunten aus Hamburg in die Tasten hauen. Vielleicht sollte auch manchmal die Feindbildpflege in den Hintergrund die Betrachtung der Tatsachen in den Vordergrund gestellt werden.
Am Freitag werden also 6000 Hansafans erwartet. Darunter werden sicher auch einige von denen sein, die man auf dem Kiez fürchtet. Von 6000 Rostockern werden 1500 Karten haben, was heißt, dass etwa 3500 die Kneipen im Kiez besetzen.
Wann? Wo? Wieviele?
Genauso wie die bei den Hansafans, werden auch etliche St.Paulianer anreisen um rund ums Spiel noch irgendwie etwas zu erleben. Trotz ca. 2500 Bullen und entsprechendem Equipment der Staatsmacht wird es sicher an einigen Stellen krachen. Das Spiel wird auch in Zukunft als eines der politischsten gelten und in der Nacht zum Samstag werden hoffentlich alle glücklich und zufrieden einschlafen, weil alles gelaufen ist, wie es sollte.
Rostock: St.Pauli besiegen!!!

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4 Antworten auf „St.Pauli vs. Rostock 2“


  1. 1 besserscheitern 04. März 2009 um 13:16 Uhr

    Danke für diese Stimme der Vernunft mitten in der Hysterie!!!

    Der Beitrag zeigt, dass es möglich ist die Gegebenheiten vor Ort zu verstehen und richtig aufzufassen und dass dies nicht bedeuten muss auch nur einen Milimeter von linken Ansprüchen abzurücken oder Probleme nicht mehr als solche zu benennen.

  2. 2 Blogneurotiker 07. März 2009 um 11:25 Uhr

    Das war ja das lustige… es waren maximal 500 Fans ohne Karte vor Ort…und nicht 5000.
    Das geile ist ja die Argumentation, die zahl mit den 5000 stammt aus der Info mit den Kartenanfragen(sic!) und wurde dann von Seiten einiger St. Pauli Fans und Indymedia-Artikelschreiber in die Welt gesetzt. Jetzt regt man sich aber auf, das es zu wenig waren und Hansa nix gebacken bekäme.
    Sehr Krude. Btw. habe ich bisher nichts über erwähnenswerte Nazivorfälle gelesen. Weiss jemand mehr?

    Hoffe mal das sich der Heimatschutz St.Pauli jetzt wieder einkriegt, nun wo die Gefahr das Fremde in ihren Kiez kommen, ja vorbei ist.

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  2. 2 Ein Abend im Millerntorstadion « spiegelschrift Pingback am 07. März 2009 um 15:10 Uhr
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