Archiv für August 2010

Antikriegstag in Kreuzberg

Zum Ersten September wird es auf dem Heinrichplatz eine Kundgebung geben, die im Rahmen der Tatort Kurdistan-Kampagne die deutschen Rüstungsexporte nach Vorderasien und die Situation in Kurdistan thematisiert.

Der kurdische Konflikt eskaliert in der Türkei seit einigen Wochen erneut und dies nicht in einem Maße, wie es ohnehin schon traurigerweise Gang und Gäbe ist, sondern in einer Art und Weise, wie sie aus den zuendegehenden 90er Jahren bekannt ist. Das türkische Militär – ohnehin schon dauerpräsent – samt Spezieleinheiten und Mörderkommandos maschiert in Dörfer und Städte ein, zerstört diese und die Infrastruktur plus Agrarwirtschaft. Hinzu kommen Morde, die nicht aufgeklärt werden. Hirten, die über Wochen verschwinden und deren Leichen irgendwann in den Bergen gefunden werden, sind im türkisch-kurdischen Gebiet leider keine Seltenheit. Vor diesem Hintergrund steht, dass junge männliche Staatsbürger in der Türkei einen Zwangswehrdienst ableisten müssen, der vor allem auch für die kurdischen Jugendlichen bedeutet ins direkte Kriegsgebiet geschickt zu werden, Teil der Zerstörung ihrer eigenen Dörfer und Städte, sowie der Demütigung von Familie und Freunden zu werden. Für Kurden stellt der Weg in die Berge zur PKK eine der wenigen Alternativen dar. Und wieder sind sie damit in den Krieg einbezogen.
Auf Deutschland und Europa bezogen spielt dieser Konflikt ebenso eine Rolle, leben hier in der Diaspora etwa 7 Millionen Kurden, die sich auch hier massiver politischer und ethnisch-kultureller Repression ausgesetzt sehen, die etwa von Anhängern der faschistischen MHP ausgeht oder auch von den Staatsorganen, die die kurdische Frage allzu gern mit der PKK gleichsetzen und verfolgen. Desweiteren ist die Türkei mit 14% vor Griechenland und Südafrika der wichtigste Export-Partner Deutschlands, wenn es um Militärmaterial geht, welches darüber hinaus, wie Anfang der 90er Jahre beim NVA-Bestand, auch mal an den Bospurus verschenkt wird.

Zum Thema empfehle ich „Der Krieg in Türkei-Kurdistan“ von Andreas Berger, Rudi Friedrich und Kathrin Schneider. Ein sehr gutes und ausführliches Buch!

Kommt zum Jam auf den Heinrichplatz!
1.9. | 16 Uhr | Heinrichplatz | Berlin-Kreuzberg

Berliner AK vs. Mainz 05

Heute mal in Berlin-Moabit fremd gegangen. Das altehrwürdige Poststadion.
Zuschauerrekord 55000 bei einem Länderspiel. Ab den 70ern verottet. Nun auf dem langsamen Weg der Sanierung. Haupttribüne, Gegengerade und Ostkurve sind wieder nutzbar. Besuch empfehlenswert!
Also ab zum DFB-Pokal.
Heute nur 1120 Zuschauer, davon etwa 50 Ultras aus Rheinhessen. Viele Hopper zugegen: Hertha+Karlsruhe, Babelsberg+TeBe, Rostock, um nur die augenscheinlich Zahlenstärksten zu nennen.
Hälfte Eins: 1:0 für die Gäste. Pünktlich zur Pause deftiger Regen. Pünktlich zum Wiederanpfiff Regen-Ende. Ultraszene Mainz mit ganz ganz schlechtem Auftritt. Kaum hörbar. So selbstbezogen, dass sie noch nicht mal das erste Tor mitbekommen haben. Immerhin strategisch günstig neben dem Bierstand platziert. Ansonsten absolute Gurkentruppe!
Zweite Hälfte zwei Tore. Erst Mainz mit der zweiten Bude. Dann wird der BAK in den letzten 15 Minuten nochmal aufmüpfig. Es reicht zumindest für ein Tor. Frenetischer Jubel. Abpfiff. Alle flott raus aus dem Rund.
Vorbei an der JVA. Im Hauptbahnhof eingecheckt. Jutet All-U-Can-Eat-Grillen mitjenomm!

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Sieh sich einer diesen kranken Mob an!

Wer hat uns verraten? – Mal wieder ein Klassiker.

Plattenpost Nr.1 / August 2010

Der Plattenpost ihre erste Ausgabe ist erschienen. Sie ist die Nachfolgerin der Flaschenpost, dem einen rostocker Zine, wie sich unschwer erahnen lässt. Und viel geändert hat sich nicht.
Die Zeitschrift wirkt nun etwas strukturierter. Ihr Inhalt ist kein reiner zweispaltiger Fließtext mehr, sondern klar voneinander abgegrenzte Berichte, die mit allerhand Gruppen und Graffiti-Bildern garniert werden. Sauer aufstoßen tut allerdings mit unter die Schreibart.
Wer zu Gunsten des Erlebnisses in den Berichten bereit ist, Sinn und Verstand auf Eis zu legen, der wird am z.T. Abfeiern eigener Homophobie und Heteronormativität der Autoren, sowie dauernden Schwanzvergleichen auf seine Kosten kommen. Jenseits von Objektivität kann man nämlich dann doch so manche wahrhaftigen Erlebnisse nachlesen. Gefallen hat auch die Rubrik „Man munkelt, tuschelt und erzählt sich…“ und die klare Trennung zwischen Berichten vom FC Hansa und Länderspielen, wie auch Hopping-Sachen.
Zwei Euro Fünfzig sind nicht die Welt, weshalb ich an dieser Stelle den Kauf mal doch noch empfehlen möchte, damit sich die geneigten Leser meines Blogs ein eigenes Bild verschaffen.

„Die Linke Gruppe Unique Rebels […] steht auch kurz davor paar abzubekommen.“

Hoffentlich merken Hansafan und die unpolitischen Helden, so es denn stimmt, langsam mal, wie lächerlich sie sich mit ihrem Gehabe machen in letzter Konsequenz ihre Unpolitik auch mit Gewalt gegen die eigene Szene durchzusetzten. Warum hört man eigentlich nie Alerta Antifascista von der Hansa-Südtribüne und sieht so wenig Rote Sterne auf Bannern prangen, wenn die Unique Rebels doch ach so viel Politik ins Stadion tragen? Fragen über Fragen!

Hansa Rostock vs. TuS Koblenz

An diesem Sonntag empfing der FC Hansa die TuS aus Koblenz. Das Spiel endete 2:0 für die Hausherren.
Weit vor dem Weckerklingeln aufgewacht. Auf Teufel komm raus Augen geschlossen gehalten, aber es half alles nichts. Darum ganz entspanntes Vorbereiten. Tasche packen: Bier, Schal, Geld, Fahne. Dann zwei Stunden Zugfahrt und schon war die Hansestadt erreicht.
Auf direktem Weg Richtung Stadion. Karte eingesackt. Kurze Snacks. Und ab rinn in die Bude.
Heute mit ~13000 Leuten gefüllt. Fahne aufgehangen, abgehangen, aufgehangen. Aufreger. Alles strömt nach draußen. Nazibratzen um Udo-Pastörs im Ostseestadion. Bullen zögerlich. Autschie-Bum-Bautschie-Bum-Bum! „Nazis raus!“ Blutige Gesichter. Zurück zur Tagesordnung. Anpfiff. Gäste mit ca. 50 Anhängern da. Die Südtribüne rockt gut los. Hansa macht das 1:0 direkt vor unserer Tribüne. Hammertop.
Halbzeit Zwei. Stimmung flacht leicht ab und gewinnt nach 20 Minuten wieder an Fahrt. Großartig. Hansa macht das 2:0. Freude pur. Ultras! Fahnen, Doppler, HüpfHüpf, Leidenschaft. Sieg! Feiern mit der Mannschaft. Derb ausgelassen. DöpDöpDöp! Auf zur Szene-Lokalität. Neues Fanzine angeschafft: „Plattenpost“. Später dazu mehr. (mehr…)