Archiv für Juli 2011

BFC Dynamo vs. 1.FC Kaiserslautern

Am gestrigen Sonnabend trafen bei Regenwetter der BFC Dynamo und der 1.FC Kaiserslauterm im DFB-Pokal aufeinander. Von den rund 10100 Zuschauern (für den einstigen DDR-Rekordmeister nach-Wende-Rekord!) hielten etwa 1000 den Pfälzern die Daumen und machten auch das eine und das andere Mal lautstark auf sich aufmerksam. Spielerisch sollte die Partie nicht viel Aufsehen erregen. Erwartungsgemäß dominierte der westdeutsche Bundesligist das Geschehen und brachte in aller Ruhe ein 3:0 nach Hause. Weniger ruhig jedoch verlief es auf den Rängen. Hier meldeten sich die rund 8000 Dynamo-Fans auf der Gegengeraden des Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadions, ehemals Cantian-Stadion genannt, in Oldschool-Manier richtig stimmgewaltig mit Schlachtrufen zu Wort. Mehrmals flogen Böller auf die Tartan-Bahn und in der zweiten Hälfte wurde gar ganz ansehnlich Rauch gezündet. Die sogenannten BFC-Ultras, um die Fraktion H, bescherten den Zuschauern zudem mit einer Blockfahne ein für BFC-Verhältnisse beachtliches Spiel-Intro und protestierten mittels Spruchbändern gegen das Verbot von Bannern an der Gegengeraden und für Pyrotechnik. Wie schon in der Saison zuvor gegen die Amateure des F.C. Hansa, ließen es sich besagte Ultras aber auch dieses Mal nicht nehmen mit geistigem Niveau-Limbo zu glänzen und skandierten lauthals Kaiserslautern – Schwulen- und Judenverein!, aber dies vielleicht nur am Rande. Als das Spiel schließlich in seinen Schlussminuten war, fühlten sich etwa 60% des pfälzer Anhangs dazu hingerissen, den Berlinern mit winkenden Taschentüchern Lebe Wohl! zu sagen, was sie sich im Nachhinein wohl hätten sparen sollen. So stürmten, wenige Minuten nachdem die Mannschaften sich bei ihren Fans bedankt hatten, um die 100 Anhänger des BFC vom Ausgang her den Gästeblock und lehrten den Wessis das Laufen. Die erst später anrückende Polizei hatte nun allerhand zu tun und so folgten noch einige Scharmützel in den Straßen des Prenzlauer Bergs. (mehr…)

Abteilung Hausbesetzer: Inseln schaffen, Eigentumsordnung ausblenden, irgendwie durchwurschteln.


Über ein paar Ecken habe ich einen Beitrag bei Pirx gefunden, der sich mit Hausbesetzern und ihrer Freiraum-Philosophie befasst. Anlass war dereinst die Räumung des Hausprojekts Liebig14 in Berlin-Friedrichshain. Dabei nachvollzieht Pirx den „selbstbestimmten“ Gedankengang: SolidaritätVom Angriff auf das Eigentum zur Verteidigung ideeller Rechte……im Namen der wirklichen Freiheit.
Sehr zu empfehlen!

„Calcio – Die Italiener und ihr Fußball“

Pünktlich zum Saisonstart, der für den F.C. Hansa bekanntlich noch nicht so gut war, hatte ich es dann endlich geschafft und mit „Calcio – Die Italiener und ihr Fußball“ das zweite Buch in der Sommerpause 2011 ausgelesen. In diesem zeichnet Birgit Schönau die gesellschaftliche Dimension des Fußballs in Italien nach – nicht immer sauber. So fällt das Kapitel zu den Ultras recht schwach aus und bedient mit dem Vorurteil von Gewalt und Rechtsextremismus lediglich ein paar gängige Ressentiments. Darüber hinaus allerdings wird deutlich, wie sehr der Fußball in Italien parteipolitisch geprägt ist. Angefangen bei Mussolini, der den Ballsport zur Einschwörung des italienischen Volkes auf Nation und Rasse gebrauchte, war der Calcio immer auch Ausdruck von Werbe- und politischen Interessen, was nicht zuletzt Berlusconi zur Perfektion durchexerziert hat. Erst als Medienkönig und dann auch als Ministerpräsident. So trug die rechts-konservative Vorgänger-Partei „Forza Italia“ seiner jetzigen „Popolo della Liberta“ nicht ohne Grund einen an den Schlachtrufen der italienischen Kurven angelehnten Namen.
Unterm Strich sehe ich das Buch zwiespältig. Einerseits öffnet es auch mal den Blick für das Fußballitalien jenseits der Fankurven und Ultras und ist insofern wirklich sehr interessant. Andererseits bedient es sich eben auch einiger Vorurteile, die das gezeichnete Bild nicht mehr objektiv genug erscheinen lassen und es umso mehr in Frage stellen. Allerdings hat es mir die Prä-Saisonstart-Phase versüßt und darum lege ich es euch auch mal ans Herz. Weitere Meinungen dazu sind hier jederzeit erwünscht.