Archiv für September 2011

Koblentz in Vorpommern

Vor gut einem Monat wurde in Mecklenburg-Vorpommern gewählt. Gut einen Monat ist es jetzt also auch her, seit dem alle ob der Wahlergebnisse für die faschistische NPD in Vorpommern erschraken. Heute widmet sich die Frankfurter Rundschau auf zwei Seiten dem Ort Koblentz in Vorpommern. Hier hat die NPD unter 97 abgegebenen Stimmen 32, also 33% geholt.
Nach der Wahl war in den breiten Medien das Urteil schnell gefällt: Die NPD konnte mit 6% wieder in den Schweriner Landtag einziehen, weil sie vor allem im Osten des Bundeslandes eine etablierte Partei ist. Dort ist sie kein Tabu, kein Protest, kein Äußeres, sondern Alternative und Perspektive. In Koblentz allerdings, so urteilt die Frankfurter Rundschau, ist das nicht so. Hier ist einfach nur politisches und wirtschaftliches Niemandsland. Das mag angesichts mangelnder Infrastruktur vielleicht stimmen. Dass die NPD einfach nur so gewählt worden wäre, kann allerdings berechtigt bestritten werden. Nur weil sich keine andere Partei dorthin verirrt, wählt man nicht faschistisch, wo das hierzulande doch eigentlich ganz und gar einen Tabu-Bruch darstellt. Aber wo die NPD, wie CDU, SPD, Grüne und Linke auch nur eine von vielen darstellt, die irgendwie ums nationale Wohl ringt, da ist es eben kein Tabu-Bruch, sondern eine wählbare Alternative unter anderen, die sich im Gegensatz zu den Demokraten noch nicht dafür zu verantworten hat, dass die blühenden Landschaften des goldenen Westens nach ’89 nicht im östlichsten Vorpommern angekommen sind.
Das macht es nicht besser, dass die Leute wählen gehen und den Rechten zu einem Drittel ihre Stimme geben, aber lässt dies nicht auch noch verständnislos im Raum stehen. Und schon gar nicht entschuldigt es ein Dorf, dass 33% seiner Stimmen den Nazis zukommen lässt und damit vollkommen zu recht als „Nazi-Hochburg“ verschrien ist. Wählen gehen macht man nicht aus Jux und Dallerei. Die 33%, wie auch die 65 anderen Wähler und 141 Nicht-Wähler von Koblentz wissen genau was, wen und warum sie da gewählt und gemacht haben, was sie eben gemacht haben. Und Koblentz ist nun mal offensichtlich ein Dorf ohne Laden, Post, Rathaus, Kindergarten, Schule, Jugendhaus, Sportverein, aber auch mit Feuerwehrschuppen, Kriegerdenkmal, Briefkasten, diese und jene Häuser und eben Nazis. Die Nationaldemokraten sind hier keine schlechtere Alternative, aber auch keine Bessere, die sich ums Verwalten der kapitalistischen Ordnung bewirbt.

Das nenn ich mal eine Antwort


Gelungene Antwort von Frankfurt auf die neue Blockfahne von Dynamo. :D

Den Dresdnern ihre neue Blockfahne

Da rühmt sich der Hersteller mit dem Großwerk und versaut den Dresdnern die Überraschung…

AIK Solna vs. Djurgardens IF

Es ging also weiter nach Stockholm. Gute acht Stunden Nacht-Busfahrt dauerte die Reise ehe wir am Busbahnhof ankamen. Da wir glücklicherweise für die nächste Nacht ein Hostel gebucht hatten, hoften wir uns nochmal bis zum Kick in die Federn werfen zu können. Aber Fehlanzeige. So blieb uns nicht viel mehr übrig als unsere bereits anwesenden drei Fünftel einzusammeln und die Stadt zu erkunden. Im Gegensatz zu Malmö kann sich Stockholm wenigstens blicken lassen. Und auch das gute alte Groundspotting sollte wieder stattfinden. So schauten wir im sehr sehr schicken Olympiastadion vorbei, welches zugleich Heimstatt von Djurgardens IF ist. Das Spiel rückte dann alsbald näher und endlich konnten wir auch einchecken. Welch großartige Butze wir da bekamen… Bunker-Feeling auf 10m² ohne Fenster!
Am Rasunda-Stadion angekommen stieg die Vorfreude. Nicht nur dass es ein großartiges Stadion ist, wir erwarteten auch großartige Vorstellungen beider Fanszenen. (mehr…)

Malmö FF vs. Trelleborgs FF

Am vergangenen Samstag, nachdem ganz Deutschland am Vorabend gesehen hatte wer den Ton angibt, ging es los nach Schweden. Acht Stunden Busfahrt später erreichten wir Malmö und hatten noch einige Zeit zu vertrödeln. So gönnten wir uns einen Schlenzer durch die Altstadt, die wirklich das einzig Sehenswerte ist. Weiter ging es Richtung Stadion und gleichmal noch drei Stadien gespottet. Zunächst ein rustikaleres American Football-Stadion vor einem herrlich anzuschauenden Plattenbau. Dann zum Frauenfußballstadion Malmö IP und weiter zum Malmö Stadion, das das größte Stadion der Stadt ist, die Welt- und Europameisterschaft miterleben durfte und seit zwei Jahren nur noch Heimat von IFK Malmö ist. Denn der Spitzenklub Malmö FF spielt inzwischen im Swedbank Stadion. Jenes kommt von außen wie ein Ufo daher und sieht von innen wie eines der vielen Null Acht Fuffzehn-Stadien aus. Immerhin wusste der Pub zu gefallen. Und genauso ernüchtern wie das Stadion, war dann auch der Kick. Da in Schweden die ersten zehn Minuten Generalboykott ausgerufen war, freuten wir uns auf einen danach durchdrehenden Fanblock und wurden sehr enttäuscht. Zwar wurde es bei Malmö immer mal wieder laut und wenn die ganze Hintertortribüne Alarm macht, war das auch ziemlich imposant, aber die meiste Zeit war tote Hose. So nickte ich in der Schlussviertelstunde von Halbzeit 1 auch gleich ein paar Mal ein. :D Da hatten es die etwa 60 Gästefans leicht die Stimmung zu beherrschen. Dass obendrein beim Südschweden-Derby nur etwa 9200 Zuschauer kamen, setzte dem Ganzen die Krone auf. Beim Endstand von 1:1 gingen wir reichlich bedient zurück gen Bahnhof. Schon bald sollte es weiter nach Stockholm gehen, wo nicht nur 3/5 unserer Reisegruppe, sondern auch das Stockholmer Derby auf uns wartete. (mehr…)

Lesung „Zonenfußball“ im Kaffee Burger


Die heutige Lesung im Kaffee Burger war sehr gut besucht und so war die Luft auch bald einigermaßen stickig und warm. Präsentiert wurde das neue Buch „Zonenfußball“ vom Herausgeber Frank Willmann. Dieser jedoch moderierte nur. Lesen sollten sechs der Autoren. Hatte ich im Vornherein gehofft, dass das Werk die Fankultur in Ostdeutschland vor und nach der Wende beschreibt und wichtige prägende Geschichten nacherzählt, stellte es sich dann doch als eine Sammlung von Kurzgeschichten heraus, die immer in irgendeiner Weise mit dem Fußball im Osten zu tun haben. So ist es mehr als eine Neu- bzw. Ostauflage von „Wenn du am Spieltag beerdigt wirst, kann ich leider nicht kommen“ zu verstehen. Zu lachen gab es bei den Vorlesungen allerdings einiges, wenn manch andere aber auch eher uninteressant waren. Also bedingt lesbar – anscheind. Für 16.95 Euro zu erstehen. Wer sich für Anekdoten jenseits der Mythen um die Fanwelt begeistern kann, dem sei es empfohlen!

Und täglich grüßt das Murmeltier.

Fast schon konnte man frohen Mutes gen Dresden gucken, dass sich der Ableger „Solo Ultra SGD“ nicht derartiger Repression von der führenden Gruppe ausgesetzt sehen muss, wie seinerzeit etwa die „Unique Rebels – Hansa Rostock“. Die Betonung liegt auf fast. Denn da kiekste mal zwei Wochen nach der Meldung mit den Angriffen nach dem Union-Spiel nicht auf den Blog besagter Gruppe und darfst dann lesen, dass nun auch für diese das Verbot den Support-/Ultra-Block zu betreten ausgesprochen wurde. Wäre das alles nicht immer mit so bitter ernsten und handgreiflichen Momenten hinterlegt, man müsste lachen, dass sich jungsche Leute mit – auf den ersten Blick – derart trivialen Dingen befassen und solche Konsequenzen ziehen. Dass die Betroffenen nun in Dresden ähnlich reagieren und sich wie die Rostocker damals nur noch aufs Fußball gucken beschränken, stimmt dann umso nachdenklicher.