Archiv für Dezember 2011

„Streunende Köter – Cani Sciolti“

Das Buch „Streunende Köter – Cani Sciolti“ wird derzeit ja viel rumgereicht in der Fußball- und Ultrawelt. Ich habe es geschafft das gute Stück pünktlich zum Pestresttestfest auszulesen und bin geteilter Meinung ob des dargebotenen. Domenico Mungo, seines Zeichens Anhänger von Florenz, zeichnet ein authentisches Bild der Ultras in Italien und nicht zuletzt von sich selbst als Ultra, doch der Rahmen wirkt ein wenig konfus. So beschreibt der Autor seine imaginierte Flucht vor den Repressionsorganen, als diese zum Schlag gegen die Ultra-Schriftsteller-Gemeinde ausholen. Er flieht in die Schweiz und erzählt dabei imaginierte per Mail eingesandte und eigene Geschichten, die sich in den Jahren der Ultra-Bewegung Italiens zugetragen haben. Die Schizophrenie, auch des Ansehens der Ultras in der Öffentlichkeit, wird vielleicht durch dieses Zitat aus dem Buch ganz gut deutlich und spiegelt sich ähnlich ja auch in Deutschland wider:

Es [die riesigen Choreografien] war die Apotheose der Megagruppen. Als die führenden Gruppen der Kurve es schafften, eine Choreo zu realisieren, die tausende Fans und nicht nur Ultras umfasste und bedeutete, dass die Stadt in deinen Händen lag. Und die Medien interessierten sich auch dafür, was du jenseits der Gewalt an Positivem hervorbrachtest. In dem Fall warst du der zwölfte Mann. In dem Fall küssten dir alle den Arsch. In dem Fall warst du die kreative und gesunde Seite des Supports… Trotzdem waren das immer und trotz allem wir. Die Ultras.

Unterm Strich muss ich sagen, dass sich der Kauf insofern gelohnt hat, als dass ich ohnehin literarisch so ziemlich alles aufsauge, was mit aktiver Fankultur und Ultras zu tun hat. Da kann ich auch mal etwas konfuser geschriebenes, solange sich die Zusammenhänge herstellen, in Kauf nehmen. Wer literarisch Hochwertigeres verlangt, der sollte sich das Buch lieber von wem ausleihen. Mit Tifare Contro, um den Vergleich mal zu wagen, kann es bei weitem nicht mithalten, doch hat „Cani Sciolti“ ja auch nicht den Anspruch einigermaßen objektiv zu erzählen.

Hansa. Oggi Piu Che Mai!