Archiv für Februar 2014

„[…]sondern auch die größere Unterwürfigkeit der Frau.“

Obiges Zitat stammt, wie ihr wisst ;) , aus einer Rede Clara Zetkins auf dem internationalen Arbeiterkongress 1889 in Paris. Hundertfünfundzwanzig Jahre später ist die Frage der Frau, ihre Rolle und ihre Emanzipation offenbar immernoch keine geklärte Sache; einzig die feministische Theorie hat sich entwickelt, wie und wohin soll an dieser Stelle mal nicht näher betrachtet werden. Die CDU-Vorzeigefeministin Alice Schwarzer darf für die BILD schreiben, wie haben eine Frau zur Bundeskanzlerin („Wie fortschrittlich ist das denn!?!“) und seit Kurzem eine ostdeutsche Dschungelqueen.
Und trotzdem – oder gerade deswegen? – ist die Frauenfrage nicht ausgestanden. In der aktuellen Freitag-Ausgabe findet sich nun ein Leitartikel, der sich gegen den Barbie-Feminismus junger westdeutscher Frauen richtet. Frauen, die sich emanzipiert geben, den Slang drauf haben, aber leben, als wären sie in eins mit ihren Barbie-Püppchen von dereinst gefallen. Die Autorin Mirna Funk, ihres Zeichens sozialisierte Ostdeutsche und Nachfahrin von Stephan Hermlin, bezieht Position gegen eine durch eigene Ideologie in die Defensive gedrängte und sich in ihrer Opferrolle offenbar recht wohlfühlende feministisierte Frauenwelt, die ideell nicht hinter ’68 zurückfallen will, materialisiert aber am Status quo des Patriarchats festhält. Eine „feministische Bewegung“, wenn man sie überhaupt so nennen darf, die aus der eigenen fehlenden Emanzipation die Verbotsforderung gegen Männer richtet, dass diese nicht empfinden, fühlen und leben dürften, wie sie es als Menschen tun – weil Frauen es auch nicht dürften. Ein Feminismus der sich zum Matriarchat aufschwingt stattdass er nach vorn gerichtet an der Gleichwertigkeit von Lebensentwürfen jenseits von Geschlechterrollen – und das meint ganz genau die Emanzipation der Frau aus dem patriarchalen Gefüge – als politische Kernforderung festhält. Mirna Funk konstatiert eine westdeutsche Frauenwelt, die völlig defensiv mit feministischer Begrifflichkeit um sich wirft, sich aber auf Grundlage dessen vielmehr als objektiviertes Opfer sieht, als als emanzipiertes Subjekt (oder eines, das es werden will), das diesen gesellschaftlichen Bedingungen die Stirn bietet und nicht nur selbstbewusst, sondern auch materialisiert zur Tat schreitet. (mehr…)