„[…]sondern auch die größere Unterwürfigkeit der Frau.“

Obiges Zitat stammt, wie ihr wisst ;) , aus einer Rede Clara Zetkins auf dem internationalen Arbeiterkongress 1889 in Paris. Hundertfünfundzwanzig Jahre später ist die Frage der Frau, ihre Rolle und ihre Emanzipation offenbar immernoch keine geklärte Sache; einzig die feministische Theorie hat sich entwickelt, wie und wohin soll an dieser Stelle mal nicht näher betrachtet werden. Die CDU-Vorzeigefeministin Alice Schwarzer darf für die BILD schreiben, wie haben eine Frau zur Bundeskanzlerin („Wie fortschrittlich ist das denn!?!“) und seit Kurzem eine ostdeutsche Dschungelqueen.
Und trotzdem – oder gerade deswegen? – ist die Frauenfrage nicht ausgestanden. In der aktuellen Freitag-Ausgabe findet sich nun ein Leitartikel, der sich gegen den Barbie-Feminismus junger westdeutscher Frauen richtet. Frauen, die sich emanzipiert geben, den Slang drauf haben, aber leben, als wären sie in eins mit ihren Barbie-Püppchen von dereinst gefallen. Die Autorin Mirna Funk, ihres Zeichens sozialisierte Ostdeutsche und Nachfahrin von Stephan Hermlin, bezieht Position gegen eine durch eigene Ideologie in die Defensive gedrängte und sich in ihrer Opferrolle offenbar recht wohlfühlende feministisierte Frauenwelt, die ideell nicht hinter ’68 zurückfallen will, materialisiert aber am Status quo des Patriarchats festhält. Eine „feministische Bewegung“, wenn man sie überhaupt so nennen darf, die aus der eigenen fehlenden Emanzipation die Verbotsforderung gegen Männer richtet, dass diese nicht empfinden, fühlen und leben dürften, wie sie es als Menschen tun – weil Frauen es auch nicht dürften. Ein Feminismus der sich zum Matriarchat aufschwingt stattdass er nach vorn gerichtet an der Gleichwertigkeit von Lebensentwürfen jenseits von Geschlechterrollen – und das meint ganz genau die Emanzipation der Frau aus dem patriarchalen Gefüge – als politische Kernforderung festhält. Mirna Funk konstatiert eine westdeutsche Frauenwelt, die völlig defensiv mit feministischer Begrifflichkeit um sich wirft, sich aber auf Grundlage dessen vielmehr als objektiviertes Opfer sieht, als als emanzipiertes Subjekt (oder eines, das es werden will), das diesen gesellschaftlichen Bedingungen die Stirn bietet und nicht nur selbstbewusst, sondern auch materialisiert zur Tat schreitet. Fraglos, dieser Leitartikel ist überaus lesenwert!

In Erwägung dieser Tatsachen bleibt den Frauen, denen es mit dem Wunsche ihrer Befreiung ernst ist, nichts anderes übrig, als sich der sozialistischen Arbeiterpartei anzuschließen, der einzigen, welche die Emanzipation der Arbeiter anstrebt.

Ohne Beihilfe der Männer, ja, oft sogar gegen den Willen der Männer, sind die Frauen unter das sozialistische Banner getreten; man muß sogar zugestehen, daß sie in gewissen Fallen selbst gegen ihre eigene Absicht unwiderstehlich dahin getrieben worden sind, einfach durch eine klare Erfassung der ökonomischen Lage.

Aber sie stehen nun unter diesem Banner, und sie werden unter ihm bleiben! Sie werden unter ihm kämpfen für ihre Emanzipation, für ihre Anerkennung als gleichberechtigte Menschen.

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1 Antwort auf „„[…]sondern auch die größere Unterwürfigkeit der Frau.““


  1. 1 mirna z. 17. Februar 2014 um 17:18 Uhr

    ist an mirna funks artikel nicht höchst problematisch, dass sie in ihrer argumentation auf sehr verkürzende weise an der vorstellung eines „emanzipationsparadieses ddr“ anknüpft?
    fraglos ohne lässt sich auf zugespitzte weise behaupten, dass sich brd und ddr zugunsten letzterer – d. h. zugunsten gewisser dort lebender menschen, konkret: gewisser, vllt. auch der mehrheit der frauen – in diversen belangen gegenüberstanden.
    mirna funk verabsolutiert diesen damaligen zustand aber, wenn sie in puncto gegewärtiger konkreter feminismEN, zu denen mitunter – als mittel unter vielen – lautes, benennendes kritisieren und sichtbarmachen (z. b. von übergriffigen aktionen des grabschenden chefs usw.) gehören, diese praxis der lächerlichkeit glaubt preisgeben zu müssen, a la „ignoriert solche belästigungen..“.
    wenn so etwas zu zeiten zetkins praxis gewesen wäre, ja was glaubt mirna funk denn wie es später um die ddr und ‚ihre‘ frauen bestellt gewesen wäre?!
    -definitiv: als hermlin-ur-enkelin wäre und ist es ihr besser ergangen mindestens als manchem/mancher, wahrscheinlich als sehr vielen! ;)

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