Yeşil Kırmızı – Ein Film über Amedspor

Es gibt nicht viele Gründe, Amedspor zu kennen. Der Erste ist Deniz Naki. Das ist so ein Typ, der mal in Hamburg seinen Sold verdient hat, für die deutschen Junioren-Nationalmannschaften spielte und als Sohn kurdischer Eltern ab 2015 eben für Amed SK auflief. Schon vorher fiel er auf, weil auf seinem Arm Azadi gestochen steht, was das kurdische Wort für Freiheit ist. Aber die kurdische Kultur samt Sprache ist von den Nationalisten in der Türkei nicht gern gesehen. Sie beschwören die unteilbare Nation und bezeichnen die Kurden als Bergtürken. Weil sich Naki eindeutig positioniert, wurde er nicht nur vom türkischen Fußballverband rekordverdächtig für 12 Spiele gesperrt. Vor einem Jahr, im Januar 2018, gab es außerdem einen Mordversuch auf ihn, als mutmaßlich der türkische Geheimdienst MIT auf sein fahrendes Auto schoss.
Aber auch sportlich kann man Amedspor kennen. Mit der Änderung der Farben vor 5 1/2 Jahren übernahm man nämlich die Tradition des bis dahin erfolgreichsten Vereins, Diyarbakirspor, und lief von nun an in den kurdischen Nationalfarben rot und grün auf. Diyarbakirspor spielte noch 2010 in der 1.Liga der Türkei, geriet dann aber insolvenzbedingt in den freien Fall und wurde inzwischen aufgelöst. Bis dahin hatte man elf Spielzeiten in der 1.Liga verbracht. Aber auch Amedspor selbst konnte schon von sich Reden machen und erreichte als Drittligist 2016 das Viertelfinale des türkischen Pokalwettbewerbs, wo man sich nach einem 3:3 im Hinspiel gegen Fenerbahce im Rückspiel mit 1:3 geschlagen geben musste.

Die Geschichte dieser Saison 2015/2016 und des Fußballalltags um den Amed SK erzählt der Film Yeşil Kırmızı, der gestern Abend im Fanprojekt Berlin gezeigt wurde. Aber es ist nicht nur die Geschichte eines kurdischen Vereins im türkischen Fußball. Es ist ein Film über den Zustand der Türkei am Vorabend des „Putsches“ vom Sommer 2016, als die Erdogan-Administration den Friedensprozess mit den kurdischen Organisationen für beendet erklärte. In diesem Film wird von ultra-nationalistischen Gesängen, Pöbeleien, Attacken und Bedrohungslagen berichtet, die nicht nur von unzivilisierten Fanatikern kommen. Mit im Boot sitzen Behörden, der türkische Fußballverband und Vereinsfunktionäre, die in Amedspor die Nationalmannschaft eines feindlichen Landes und keinen Verein im regulären Fußballbetrieb sehen. Gegen all den Hass und all die Schikanen leistet Amedspor Widerstand, versucht erhobenen Hauptes immer wieder auf den Platz zu gehen und sportlich zu beweisen, dass sie gute Gründe haben, dort zu sein.

Es gibt zwei Gründe Amedspor zu kennen. Dieser Film ist der Dritte. Wer sich bei diesem Streifen Bilder von Ausschreitungen und Polizeiübergriffen, kurz: Riotporn, erhofft, wird hier zu kurz kommen, aber das macht den Film nicht weniger sehenswert. Ganz im Gegenteil, er lebt von seiner nüchternen Darstellung des dennoch schockierenden Alltags. Was noch mehr schockiert, ist, dass all das aufgenommen wurde, bevor sich Erdogan den erputschten Freibrief zum Durchregieren erteilt hat und bevor der Krieg der Türkei gegen die Kurdengebiete erst wieder richtig aufgenommen wurde. Damit ist Yeşil Kırmızı auch ein Zeitzeugnis, das nun mit einer Delegation der Direniş auf Tour geht und Spenden einsammelt.
Ausgehend von einem Kollektiv Nürnberger, Bremer und Hamburger Fußballfans wird der Film mit Freddy Pitschak und einer Delegation der Fangruppe Direniş durch die Bundesrepublik reisen und zum Diskutieren einladen. Damit soll jedoch nicht nur auf die prekäre Situation des Vereins aufmerksam gemacht werden – nach Diyarbakirspor liegen kriegsbedingt auch bei Amedspor die Finanzen im Argen –, sondern auch gesammelt werden. Mit Shirts, Beuteln oder mancher stabilen Spende soll Geld zusammengebracht werden, um die Frauenfußball-Abteilung des Klubs zu unterstützen, die in Ostanatolien eine Vorreiterrolle inne hat.
Das ist eine gute Sache und darum sei der Filmbesuch sehr sehr sehr empfohlen!

Wenn es in eurer Stadt noch keine Vorführung gibt, nehmt doch mal Kontakt mit de Bündnis auf und stellt was eigenes auf die Beine! Es lohnt sich.

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