Beiträge von Karaffe

Im Herzen ein Skin

„Skindhead war, wer sich keine teuren Klamotten kaufen konnte und das auch zeigen wollte.“ Die erste Rationalisierungswelle hatte Großbritannien erreicht und die Wirtschaftswunderjahre auch im Mutterland der Industrie beendet. Das Lehrstellenangebot schrumpfte innerhalb von vier Jahren um ein Viertel, Arbeitslosigkeit bestimmte den Lebensalltag vieler Familien in East-London. Doch während die Zukunftsaussichten für die Masse der Arbeiterkids immer düsterer wurden, bildete sich gleichzeitig eine neue, junge finanzkräftige Mittelschicht heraus: Aufsteiger, die von der Rationalisierung profitierten. Computerexperten, Städteplaner, Architekten überrollten nun die Arbeiterviertel Londons wie Westbereins Neureiche 20 Jahre später das autonome Kreuzberg. Yuppies, aber auch Intellektuelle, KünstlerInnen und revoltierende Bürgerkinder zogen nach East- und South-London. Ganze Straßenzüge wurden abgerissen, billiger Wohnraum durch überteuerte Appartements und Luxusläden ersetzt. Der vormalige Arbeiterkiez hatte sich gründlich verändert.
Ein Klassenkampf entlang neuer Fronten entfaltete sich: Hippies mit wohl sittuiertem Elternhaus und „gehobenem“ Bildungsniveau erträumten den Untergang der Industriegesellschaft. Mit Marcuse und Castaneda erprobten sie die Konsumverweigerung und den Ausstieg aus der Leistungsgesellschaft, trafen nun aber auf Underdogs, denen gerade der Einstieg verwehrt wurde. Die Kids reagierten trotzig auf die Invasion ihres Reviers und kehrten die Prolo-Herkunft demonstrativ heraus. Männliche Härte gegen lange Haare und bunte Klamotten, proletarische Disziplin gegen Drogen und Mystik. Straßenkämpfe gegen die Mittelschichtkinder wurden neben Fußball und Bier das sinnstiftende Hobby der Kurzgeschorenen.

In: Klaus Farin & Eberhard Seidel: Krieg in den Städten – Jugendgangs in Deutschland. Archiv der Jugendkulturen-Verlag, Berlin.

…für das deutsche Vaterland! Danach lasst uns alle streben…

In der Frankfurter Rundschau findet sich heute mal wieder ein Kommentar zur deutschen Außenpolitik. Zwei Standpunkte werden vorgetragen. Es geht um die UN-Abstimmung über die Mitgliedschaft Palästinas in der UNESCO. Deutschland votierte dagegen. Palästina wurde mit der Mehrzahl der Stimmen trotzdem aufgenommen. Das kommt einer halben Anerkennung als UN-Vollmitglied und eigenständigem Staat gleich. Und die EU präsentierte sich wieder einmal nicht geschlossen. Ein ganz großes Debakel für EU und Deutschland, attestiert Steffen Hebestreit, Redakteur der Frankfurter Rundschau. So stärkt man Deutschland und die EU in der internationalen Politik nicht und isoliert sich, lautet das Urteil. Daniel Haufler verweist auf den BND, der es in Bezug auf Gute Kontakte ja weiterhin richten könne. Außerdem verfolge man damit wenigstens einen stringenten Nahost-Kurs. Die Opposition meckert, dass das nach der Libyen-Entscheidung nun der zweite große Patzer für die Merkel-geführte Bundesregierung ist. Die Bundeskanzlerin und Co-Pilot Westerwelle führen das Land, die Nation, nicht zum Erfolg, sondern vergeben Chancen zum Kurswechsel und zur Machtsicherung. Dass es bei den deutschen Interessen wieder nur um Absatzmärkte, willfährige Regime und Billigpproduktionsländer geht, steht schon längst nicht mehr zur Debatte. Imperialismus… kann so diskurs-freudig sein.

Wenn Polizisten angreifen, sorgt dafür, dass sie es nie wieder tun!

In Griechenland bebt ja nun schon eine ganze Weile die Gesellschaft. Anlässlich der zumeist autonom-anarchistischen Krawalle nach dem Tod von Alexandros Grigoropoulos haben inzwischen nicht nur der Riot-Dog, sondern auch die Polizisten, die mit Motorrädern in die Menge rasen um größt-mögliche Verletzungen anzurichten, Bekanntheit erlangt. Solche kennt man auch schon von den Studentenprotesten im Iran.
Um so härter die Staatsmacht zuschlägt, umso mehr Genugtuung bereitet dann ein solches Video, das mal eine effektive Gegenwehr dokumentiert.

Berliner Cops prügeln auch gegen Sachsen gerne

Ähnlich wie den Hansafans am Sonntag, die sogar mehrmals von den Polizeihunden gebissen wurden, wie nun bekannt wurde, erging es den Fans aus Halle an der Saale, die zum Regionalliga-Kick nach Berlin gereist waren. Und da wundern sich Leute und Öffentlichkeit darüber, wenn es Aggressionen gegen die Polizei gibt…

Babelsberg 03 vs. RW Erfurt


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BFC Dynamo vs. 1.FC Kaiserslautern

Am gestrigen Sonnabend trafen bei Regenwetter der BFC Dynamo und der 1.FC Kaiserslauterm im DFB-Pokal aufeinander. Von den rund 10100 Zuschauern (für den einstigen DDR-Rekordmeister nach-Wende-Rekord!) hielten etwa 1000 den Pfälzern die Daumen und machten auch das eine und das andere Mal lautstark auf sich aufmerksam. Spielerisch sollte die Partie nicht viel Aufsehen erregen. Erwartungsgemäß dominierte der westdeutsche Bundesligist das Geschehen und brachte in aller Ruhe ein 3:0 nach Hause. Weniger ruhig jedoch verlief es auf den Rängen. Hier meldeten sich die rund 8000 Dynamo-Fans auf der Gegengeraden des Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadions, ehemals Cantian-Stadion genannt, in Oldschool-Manier richtig stimmgewaltig mit Schlachtrufen zu Wort. Mehrmals flogen Böller auf die Tartan-Bahn und in der zweiten Hälfte wurde gar ganz ansehnlich Rauch gezündet. Die sogenannten BFC-Ultras, um die Fraktion H, bescherten den Zuschauern zudem mit einer Blockfahne ein für BFC-Verhältnisse beachtliches Spiel-Intro und protestierten mittels Spruchbändern gegen das Verbot von Bannern an der Gegengeraden und für Pyrotechnik. Wie schon in der Saison zuvor gegen die Amateure des F.C. Hansa, ließen es sich besagte Ultras aber auch dieses Mal nicht nehmen mit geistigem Niveau-Limbo zu glänzen und skandierten lauthals Kaiserslautern – Schwulen- und Judenverein!, aber dies vielleicht nur am Rande. Als das Spiel schließlich in seinen Schlussminuten war, fühlten sich etwa 60% des pfälzer Anhangs dazu hingerissen, den Berlinern mit winkenden Taschentüchern Lebe Wohl! zu sagen, was sie sich im Nachhinein wohl hätten sparen sollen. So stürmten, wenige Minuten nachdem die Mannschaften sich bei ihren Fans bedankt hatten, um die 100 Anhänger des BFC vom Ausgang her den Gästeblock und lehrten den Wessis das Laufen. Die erst später anrückende Polizei hatte nun allerhand zu tun und so folgten noch einige Scharmützel in den Straßen des Prenzlauer Bergs. (mehr…)

Abteilung Hausbesetzer: Inseln schaffen, Eigentumsordnung ausblenden, irgendwie durchwurschteln.


Über ein paar Ecken habe ich einen Beitrag bei Pirx gefunden, der sich mit Hausbesetzern und ihrer Freiraum-Philosophie befasst. Anlass war dereinst die Räumung des Hausprojekts Liebig14 in Berlin-Friedrichshain. Dabei nachvollzieht Pirx den „selbstbestimmten“ Gedankengang: SolidaritätVom Angriff auf das Eigentum zur Verteidigung ideeller Rechte……im Namen der wirklichen Freiheit.
Sehr zu empfehlen!

Berlin atomar bedroht?

In der Zeitung „Der Rabe Ralf“ von der Grünen Liga Berlin findet sich ein Artikel zur atomaren Bedrohung, von der Berlin betroffen ist. In Wannsee befinde sich nämlich nicht einfach nur ein Forschungsreaktion des Helmholtz-Zentrums Berlin für Materialien und Energie. Dieser sei auch noch unterdurchschnittlich gesichert und genüge nicht den Sicherheitsvorschriften. Bei einem Zwischenfall ergäbe sich damit ein 20km breites Gebiet, dass evakuiert werden müsste. Das bereitet doch Freude!

Seid ihr bereit für Schlager?


Wir boxen dich zu Kartoffelbrei! […] Er kommt und er fickt dich. Er ist ein Sozialhilfeempfänger! […] Er ist bewaffnet, ein Schlitzer! […] Ahu!

Zitat der Woche

Nach der deutschen Risikostudie könne Kernschmelzunfälle nur einmal in 10.000 Reaktorbetriebsjahren vorkommen. Nur bei 1 % dieser Ereignisse (also einmal in 1 Million Reaktorbetriebsjahren) müsste dabei mit Todesfällen gerechnet werden. Das aus Kernschmelzunfällen resultierende Risiko ist also extrem klein.

(Kernenergie Basiswissen, Informationskreis Kernenergie, 1994)
Blöd zwar, dass der äußerst unwahrscheinliche Kernschmelzunfall in den letzten Jahren schon dreimal aufgetreten ist (einmal Tschernobyl, zweimal Fukushima). Damit aber ist statistisch das Soll erst mal erfüllt – in den nächsten Millionen Jahren sollte nichts mehr passieren.

Hier gefunden.