Archiv der Kategorie 'Veranstaltungen'

Neues aus dem Zirkus der Herrschaftsbestellung

Exkursion „Fußball in Berlin“

Den Anfang des Tages machte heute die Exkursion „Fußball in Berlin“, die von der Hellen Panke in Zusammenarbeit mit dem Fanprojekt Berlin organisiert wurde. Los ging es daher auch gleich im Haus der Fußballfankulturen, das sich im Jahn-Sportpark befindet. Von dort zog es die rund 30 Personen starke Busbesatzung nach Köpenick, wo es den längsten Vortrag des Tages zum Engagement der Fans im Verein gab. Vereinsvertreter berichteten aber auch von Unwegsamkeiten, die die Vereinbarkeit von fanfreundlichem Profifußball mit sich bringt. Nicht ausgespart wurde, dass der FCU unter anderem auch Neonazis im Stadion duldet, solange sie sich mit politischen Parolen zurückhalten, was allerdings ebenso für die Linken gelte. Nach dem anschließenden Mittag in der Vereinsgastronomie „Abseitsfalle“ ging die Tour nach Kreuzberg, wo den Teilnehmern die Entwicklung von Türkiyemspor und Probleme von Migrantenvereinen in Deutschland dargestellt wurden. Auf das Verhältnis des Vereins zum türkisch-kurdischen Konflikt befragt, da in dem Lokal mehrere Atatürk-Bilder hingen, gab es erstaunlicherweise die selbe Antwort, die es auch bei Union Berlin gab. Rechte, Linke, Schwule, Kurden, Türken dürfen alle mitmachen, solange es vordergründig um Sport geht. Und dann endlich war die letzte Station der Exkursion erreicht. In der Geschäftsstelle von Hertha BSC stellte der Historiker Daniel Koerfer sein Buch „Hertha unterm Hakenkreuz“ vor, das insbesondere zur Sozialstruktur des Verein vor dem Nationalsozialismus interessante Dinge ans Licht brachte. So war der Club, der erst nach dem Krieg ins Olympiastadion wechselte, historisch in Wedding verortet und hatte eine klassische Arbeiterklientel als Mitglieder und Publikum. Auf Grund schlechter Zeitplanung verließ ich aber mit zwei Weggefährten die Vorstellung etwas früher, da wir sonst den Anpfiff des Spiels Hertha BSC gegen die SG Dynamo Dresden verpasst hätten. Alles in allem eine sehr interessante Tagesveranstaltung, die in dieser Art auch sicher noch ein paar Mal stattfinden wird. (mehr…)

Lesung „Rasen der Leidenschaften“ in der FC Magnet Bar


Am gestrigen Abend wurde in Berlin-Mitte zur Vorstellung des Buches „Rasen der Leidenschaften“ geladen. In weniger als einer halben Stunde kam zunächst Autor Christian Wolter zu Wort und trug ein paar Geschichten aus dem Buch vor, die sich zumeist mit historischen Gegebenheiten von krawallierenden Fußballfreunden befassten (und einen ganz guten Eindruck vermittelten, dass das keineswegs Phänomene der heutigen Zeit sind). Im zweiten Teil der Veranstaltung kamen einige Mitarbeitende zu Wort und das Publikum fragte nach, was es denn über das Buch hinaus noch zu berichten gäbe, wieviel Zeit Christian Wolter investiert habe und wie es sich mit den Quellen verhält. Und so kam der Autor auch dazu sein nächstes Buch anzupreisen, bei dem ein paar weitere Anekdoten wiedergegeben werden sollen. Da ich das Buch bereits seit dem Fankongress mein Eigen nennen darf, kann ich allen historisch Interessierten nur ans Herz legen das gute Stück zu kaufen. Mehr als 60 Stadien und Fußballsportanlagen werden beleuchtet und das nicht nur in statistischer Hinsicht, sondern auch mit den Geschichten, die sich um die Plätze wölben. Das macht das Buch in jeder Hinsicht lesenswert. Auch, weil ein paar Grounds dabei sind, die dem einen oder anderen gar nicht (mehr) so präsent sind. Auf jedenfall ein Fußballbuch der besonderen Sorte!

Lesung „Zonenfußball“ im Kaffee Burger


Die heutige Lesung im Kaffee Burger war sehr gut besucht und so war die Luft auch bald einigermaßen stickig und warm. Präsentiert wurde das neue Buch „Zonenfußball“ vom Herausgeber Frank Willmann. Dieser jedoch moderierte nur. Lesen sollten sechs der Autoren. Hatte ich im Vornherein gehofft, dass das Werk die Fankultur in Ostdeutschland vor und nach der Wende beschreibt und wichtige prägende Geschichten nacherzählt, stellte es sich dann doch als eine Sammlung von Kurzgeschichten heraus, die immer in irgendeiner Weise mit dem Fußball im Osten zu tun haben. So ist es mehr als eine Neu- bzw. Ostauflage von „Wenn du am Spieltag beerdigt wirst, kann ich leider nicht kommen“ zu verstehen. Zu lachen gab es bei den Vorlesungen allerdings einiges, wenn manch andere aber auch eher uninteressant waren. Also bedingt lesbar – anscheind. Für 16.95 Euro zu erstehen. Wer sich für Anekdoten jenseits der Mythen um die Fanwelt begeistern kann, dem sei es empfohlen!

uG-TV zu kapitalistischer Krisenbewältigung

Weniger medial aufbereitet, aber dafür inhaltlich nicht weniger interessant, scheint auch die Podiumsdiskussion des AK Klassenfrage am 7.Mai zu werden. Leider gibt es noch nicht allzu viele Infos, aber die Zusammensetzung sollte vielversprechend sein.

Thilo Sarrazin, sein Rassismus und eine merkwürdige deutsche Öffentlichkeit

Freerk Huisken, der im vergangenen Juni schon einmal in Berlin referierte, kommt Ende des Monats wieder in die Hauptstadt. Und auch diesmal spricht er zu einem öffentlich viel behandeltem Thema.

28.Oktober :: 19 Uhr
Humboldt-Universität :: Unter den Linden 6 :: Raum 3094/3096
Hier


Thilo Sarrazin und seine Kritiker: Dummheit und Gemeinheit der Debatte über deutsches Volkstum

Warum gibt es eigentlich diesen Wirbel um das Buch von Sarrazin? Warum giften die Feuilletons der liberalen Blätter? Warum musste der Autor seinen Platz im Vorstand der Bundesbank räumen? Warum gilt er den Parteien dort als unhaltbar und warum sieht die SPD für ihn keinen Platz mehr in ihrer Partei? Dabei teilen doch die Volksparteien gerade im Prinzipiellen seine Urteile zur Bevölkerungspolitik: Wenn die hiesige Bevölkerung mit und ohne Migrationshintergrund sich als nützliche Ressource für nationales Wachstum, für Zuwachs an innerer und äußerer Macht bewähren soll, dann muss sie nicht nur für brauchbaren und guten deutschen Nachwuchs sorgen, sondern sich gemäß der deutschen Tugenden wie Fleiß, Ordnung, Tüchtigkeit usw., bewähren. Die Gemeinheit dieses politischen Standpunktes, der Lebensqualität und Lebensrecht der Bewohner dieser Republik an ihren Nutzen für Staats- und Kapitalmacht bindet und von der Erfüllung der Maßstäbe von „deutscher Leitkultur“ abhängig macht, wird doch auch dadurch nicht freundlicher, dass regierende Politiker sich bemühen, ihn als Dienst an ihrem Volk, als Sorge um Arbeitsplätze, um Bildung für Unterprivilegierte oder um Kita-Plätze für deren Nachwuchs vorzustellen. (mehr…)

Antikriegstag in Kreuzberg

Zum Ersten September wird es auf dem Heinrichplatz eine Kundgebung geben, die im Rahmen der Tatort Kurdistan-Kampagne die deutschen Rüstungsexporte nach Vorderasien und die Situation in Kurdistan thematisiert.

Der kurdische Konflikt eskaliert in der Türkei seit einigen Wochen erneut und dies nicht in einem Maße, wie es ohnehin schon traurigerweise Gang und Gäbe ist, sondern in einer Art und Weise, wie sie aus den zuendegehenden 90er Jahren bekannt ist. Das türkische Militär – ohnehin schon dauerpräsent – samt Spezieleinheiten und Mörderkommandos maschiert in Dörfer und Städte ein, zerstört diese und die Infrastruktur plus Agrarwirtschaft. Hinzu kommen Morde, die nicht aufgeklärt werden. Hirten, die über Wochen verschwinden und deren Leichen irgendwann in den Bergen gefunden werden, sind im türkisch-kurdischen Gebiet leider keine Seltenheit. Vor diesem Hintergrund steht, dass junge männliche Staatsbürger in der Türkei einen Zwangswehrdienst ableisten müssen, der vor allem auch für die kurdischen Jugendlichen bedeutet ins direkte Kriegsgebiet geschickt zu werden, Teil der Zerstörung ihrer eigenen Dörfer und Städte, sowie der Demütigung von Familie und Freunden zu werden. Für Kurden stellt der Weg in die Berge zur PKK eine der wenigen Alternativen dar. Und wieder sind sie damit in den Krieg einbezogen.
Auf Deutschland und Europa bezogen spielt dieser Konflikt ebenso eine Rolle, leben hier in der Diaspora etwa 7 Millionen Kurden, die sich auch hier massiver politischer und ethnisch-kultureller Repression ausgesetzt sehen, die etwa von Anhängern der faschistischen MHP ausgeht oder auch von den Staatsorganen, die die kurdische Frage allzu gern mit der PKK gleichsetzen und verfolgen. Desweiteren ist die Türkei mit 14% vor Griechenland und Südafrika der wichtigste Export-Partner Deutschlands, wenn es um Militärmaterial geht, welches darüber hinaus, wie Anfang der 90er Jahre beim NVA-Bestand, auch mal an den Bospurus verschenkt wird.

Zum Thema empfehle ich „Der Krieg in Türkei-Kurdistan“ von Andreas Berger, Rudi Friedrich und Kathrin Schneider. Ein sehr gutes und ausführliches Buch!

Kommt zum Jam auf den Heinrichplatz!
1.9. | 16 Uhr | Heinrichplatz | Berlin-Kreuzberg

Wenn „Experten“ aus dem Nähkästchen plaudern…

… kommt nicht nur raus, was nicht unbedingt an die Öffentlichkeit kommen soll, sondern mit unter auch eine Menge Stuss. So erneut geschehen im ultras.ws-Forum. Dort präsentiert sich ein Hansafan als Szenekenner und plappert bezüglich Unique Rebels1 auch gleich mal drauf los. Das Ziel ist aus früheren Episoden bekannt: Diskreditierung.

Dass die Gruppe nichts zu melden, Fahnenverbot und eine „Waschlappen“-Mitgliederstruktur hat, weiß er zu berichten und will damit klar machen: die gehören gar nicht wirklich zu Hansa, die zählt ihr bitte und besser nicht zu uns. Links und Hansafan sein, das gehört sich offenbar nicht und möge bitte auch nicht zum FCH gezählt werden.
In welchem Widerspruch sich der Autor damit angesichts dessen bewegt, dass diese Gruppe dann offenbar doch einen gewissen Sympathisantenkreis hat, in Teilen selbst lang genug in der führenden Gruppe (führend) aktiv war2 und auch nicht die erste links-alternative Organisierung bei Hansa5 ist, scheint ihm nicht klar zu sein.
Angesichts dieser Auseinandersetzungen sollte eine Debatte über Ultra an und für sich dann mal intensiv geführt werden oder solche gelaufenen Debatten mal zu Kenntnis genommen und dementsprechend mal eine Einordnung vorgenommen werden.
Ich für meinen Teil verstehe darunter nämlich mehr als ein bloßes Daumendrücken für den Verein, Basteleien von Choreographien, saufen auf Fahrten und zünden von Pyrotechnik, sondern eine kulturelle Einheit, die all das mit einschließt, was diese Kultur und ihre Akteure bewegt, fasziniert und auch nur tangiert. Das meint ein Engagement für den Verein, das Meinungen – und auch die politischen – nicht an Eingangstür und -Tor von Stadion und Szene-Raum abgibt, sondern eben auch die Kultur von Musik, Umgangs- und Kommunikationsweisen nach innen und außen, Debatten und Organisierung3 einschließt.
Inwiefern sich eine Gruppe, wie die Unique Rebels, die ein Fanheft rausgeben, Konzerte6 und Diskussionsveranstaltungen organisieren6, das Stadion als Aktive besuchen und sich damit auch noch auf den FC Hansa Rostock beziehen, dementsprechend nun der dortigen Ultraszene zurechnen lassen (dürfen) oder nicht, obliegt dann einerseits der Sache, ob man diese Deutung von Ultra teilt4, und andererseits was man für eine Vorstellung von Szene hat, die doch letztendlich für die Gesamtheit der Fans steht oder stehen sollte. Dass die Unique Rebels Ton-angebend sind, hat niemand behauptet. Ein Teil dieser Szene sind sie aber, ob das nun andere Teile wollen oder nicht, trotzdem allemal. Inwiefern eine solche Vielfalt der Szene nicht zuträglicher ist, als die Einfalt, die mancherorts durch die Diskreditierung geradezu beschworen wird, sei mal als Debatte in den Raum gestellt.

  1. Von diesen bin ich im Übrigen nach wie vor kein Mitglied. Die Vehemenz, mit der manche Kreise allerdings gegen diese Gruppe, ihren Ursprung und Ausrichtung vorgehen, offenbart allerdings so manche Abgründe, deren Bereinigung für die Lösung des Problems m.E.n. sehr hilfreich wäre. [zurück]
  2. Das diese Leute bekanntermaßen aus freien Stücken die Gruppe Suptras Rostock verlassen haben, verdreht er, wenn er schonmal bei der Diskreditierung ist, gleich mal in einen Rauswurf. [zurück]
  3. Womit Ultra mal ziemlich abstrakt bestimmt wäre und wie es i.d.R. aus den Ultra-Nationen bekannt ist. [zurück]
  4. Wenn nicht, dann sollte Ultra (an dieser Stelle) vielleicht mal geklärt werden, damit derartige Widersprüche nach Möglichkeit aus dem Raum geschafft werden. [zurück]
  5. Zu erwähnen wären hier z.B. mal die Ropiraten Rostock. [zurück]
  6. Sie sind – passenderweise – damit ja geradezu als Kulturbereicherer zu bezeichnen! [zurück]

Vortrag zu WM und Fantum

Der Fachschaftsrat Sozialwissenschaften der Humboldt-Uni organisiert wenige Tage vor WM-Start ein Referat, dass sich mit der Fußballweltmeisterschaft, wieso diese stattfindet und was uns das sagt, als auch mit den Anhängern von Vereinen und Nationalteam beschäftigt. Darüber hinaus soll ein Blick auf die Unterschiede, die bei den Beweggründen garnicht mal mehr so riesig sind, zwischen gewöhnlichem Fan und der hardcore-Fraktion von Ultras und Hooligans geworfen werden.

Fans machen viel mit für Verein und Nation - aber warum?

Referieren tut Dr. Freerk Huisken, der von der Universität Bremen kommt und dort Erziehungswissenschaften lehrte. Er hat bisher unter anderem zum Erziehungswesen der kapitalistischen Gesellschaft und seinen Auswüchsen, wie auch zu den psychologischen Umtrieben der (Staats-)Bürger publiziert.
Einen Text zu Fußballfans und Gewalt gibt es bereits aus dem Jahr 2001 in Thesenform.

Schwarzrotgoldenes Balltreten zur Ehre der Nation – Alle Deutschen werden Geschwister
Dr. Freerk Huisken
8.Juni 2010 | 18:30 | Humboldt-Universität
Unter den Linden 6 | Raum 3094/3096

Kommen dürfte sich lohnen.