Zines

Auf der Mentalitätsbanane ausgerutscht

In einem jüngeren Artikel des Basch verkünden Ultra Sankt Pauli, dass sie es zuletzt in den eigenen Reihen mit einem Polizisten zu tun hatten und dieser auch noch von seinem Fanclub „Millerntor Devils“ gedeckt wurde. So vollkommen richtig dieser Artikel über das Vorgehen und so vorbildlich die Offenlegung gegenüber Dritten ist, so verdeutlichen die Kommentare auf dem Blog doch, wieso man für diesen Verein und seine Fanszene nicht mehr als Verachtung übrig haben kann. In bester Gutmenschenmanier wird der Szene-Rausschmiss auf Grund eines frei und selbstgewählten Berufsstandes als Rassismus defamiert. Ein Berufsstand, der sich, wie USP richtigerweise schreiben, einfach nicht mit der Ultrakultur vereinbaren lässt. Rassismus hingegen, ist die Diskrimierung auf Basis von Eigenschaften, für die Person X nichts kann: Herkunft, Staatsbürgerschaft, Hautfarbe, um nur die Geläufigsten zu nennen.
Da spielen sich die Pseudoweltverbesserer zur moralischen Instanz auf, ohne das Argument, dass ein Polizist in den eigenen Reihen schlicht ein Sicherheitsrisiko für das Kollektiv ist, zur Kenntnis zu nehmen oder eben nehmen wollen. Für den Großteil dieser ist der Polizeihauptmann weiter schlicht mehr Freund und Helfer, der nur in Einzelfällen über die Stränge schlägt und Naziaufmärsche schützt, weil das seine Aufgabe sei und nicht, weil er sich genau diesen Beruf ausgesucht hat, um Staat und kapitalistische Gesellschaft zu schützen und im Zweifel zu verteidigen. Was meinen diese Leute eigentlich, weshalb Polizisten verbeamtet sind? Doch nicht, weil das irgendein Beruf wäre, sondern weil mit diesem Beruf die unbedingte Treue zu Staat und Obrigkeit zwingend verknüpft ist und das dem Arbeitgeber nunmal die Versorgungspflicht für diesen besonderen Schlag Bürger wert ist. Dass er genau deswegen eben auch seine Kollegen zu verpetzen verpflichtet ist, kann schlicht und ergreifend nicht außen vor gelassen werden, wenn man als Ultragruppe über den Sachverhalt eines Polizisten in den eigenen Reihen urteilt.

Carpe Noctem-Magazin aus Leipzig

Die Ultras sind, das kann man drehen und wenden, wie man will, eine Patchwork-Kultur. Ausgehend von ihrem originär fankulturellen Erscheinen, hat sich um die eigentliche Sache des organisierten Fußballsupports eine ganze Reihe anderer subkultureller Formen an und in ihr versammelt, was nicht zuletzt einer der ausschlaggebenden Punkte dafür ist, dass die Kultur der Ultras dermaßen blüht und die – vor allem – Jugendbewegung dieser Zeit ist.
Einen nicht geringen Teil der Mentalität nimmt so inzwischen die Sparte Streetart und Graffiti ein, in der sich kaum noch eine Szene allein hässliche Tags, schlecht gelayoutete Sticker oder dergleichen mehr geben will, sondern auf Qualität und auch die Codes dieser anderen Szene geachtet wird. Zu einem der Hotspots der Fußballstraßenkünstler zählt ganz sicher die Fanszene um den Verein Chemie Leipzig, aus der heraus nun das Magazin Carpe Noctem erscheinen wird und damit an gleichnamige Zaunfahne anknüpft, die den Nachtaktiven Ehre erweisen soll. Und einen Trailer, wie sollte es auch anders sein, gibt es schon jetzt zu bestaunen. Wir sind gespannt! (mehr…)

Saarboteur Nr.1 / August 2011

Aus Saarbrücken gibt es nun auch ein Fanzine, das allerdings offenbar nicht aus der Ultraszene stammt. Jenes kommt äußerlich ähnlich dem Herzschlag von Babelsberg daher, ist im Einband aber dezent farblich gestaltet. Insofern schonmal ganz schick. Die Verarbeitung ist im Vergleich zum Heft aus Potsdam auch deutlich besser. Inhaltlich geht es vor allem um Hopping und die Auswärtsspiele des FCS. Die Artikel sind alles in allem überwiegend unspannend und gelegentlich gibt es dazu noch ein Bild vom Ort, Stadion, Geschehen. Hat mein Blut nicht schneller fließen lassen und vom Kauf der ersten Ausgabe würde ich daher eher abraten. Da allerdings noch viel Platz nach oben ist, zum Beispiel hinsichtlich der Bilder, würde mich eine Zweitausgabe sehr interessieren.

Hinter dem Zaun Nr.2 / Dezember 2010

Mit einem halben Jahr Verspätung und allerlei Hickhack im Vorfeld ist nun die zweite Ausgabe der Hinter dem Zaun erschienen.
Oldschool in schwarzweiß-Kopien gehalten, hat das pünktlich zum Hansa-Geburtstag erschienende Heft allerlei interessante Texte und Berichte zu bieten. So gibt es neben den üblichen Spieltagsberichten aus der Rückrunde in der vergangenen 2.Liga-Saison und Groundhopping-Stories auch Rezensionen zu diversen Fanzines aus Ultra-Deutschland und den Filmen „Cass – Legend of a Hooligan“, sowie „Awaydays“. Als besonderes Schmankerl wartet ein Interview mit dem aktiven Fanclub „Hansa-Flotte“ aus Berlin. Einzig die Texte mit polittheoretischem Anspruch haben mich nicht so ganz überzeugt, kommen sie doch (noch) recht holprig daher, stoßen aber, das zeigte bereits die vorausgehende Debatte, interessante Punkte dessen an, was Ultra und Fantum nun eigentlich bedeutet, womit es sich identifiziert und welche Schlüsse man daraus ziehen kann/sollte.
Obwohl der Verkauf nur Mecklenburg-Vorpommern-intern läuft, kann ich nur empfehlen sich das Heft zu besorgen.

Zweiundvierzig Grad Nr.1 / Oktober 2010

Vor Kurzem erblickte ein neues Groundhopping-Heft mit dem Namen Zweiundvierzig Grad das Licht der Welt. Der Macher, Daniel Renatus, berichtet in Worten und Bildern von den vergangenen zwei Jahren Groundhopping in 16 Ländern. Und da ist wirklich eine ganz feine Sache bei rum gekommen. Sehr angenehm lesbare Berichte und schöne Bilder. Und am Ende des Heftes gibt es obendrein noch einige Graffiti-Bilder. Der sehr gute inhaltliche Eindruck wird schließlich noch durch eine gute Verarbeitung des Heftes und Aufbereitung der Struktur abgerundet. Obwohl ich eigentlich immer nicht so der große Fan von Hopping-Heften bin, kann ich die Investition dieser 3,50 €uro nur schwer empfehlen.
Da mir der gute auch eine kleine Ladung an Heften überließ, dürfen sich Freunde, Bekannte und Interessierte auch gern hier in der Kommentar-Spalte mit Mail-Adresse melden(wird nicht freigeschaltet – keine Angst) oder mich direkt anhaun.

Plattenpost Nr.1 / August 2010

Der Plattenpost ihre erste Ausgabe ist erschienen. Sie ist die Nachfolgerin der Flaschenpost, dem einen rostocker Zine, wie sich unschwer erahnen lässt. Und viel geändert hat sich nicht.
Die Zeitschrift wirkt nun etwas strukturierter. Ihr Inhalt ist kein reiner zweispaltiger Fließtext mehr, sondern klar voneinander abgegrenzte Berichte, die mit allerhand Gruppen und Graffiti-Bildern garniert werden. Sauer aufstoßen tut allerdings mit unter die Schreibart.
Wer zu Gunsten des Erlebnisses in den Berichten bereit ist, Sinn und Verstand auf Eis zu legen, der wird am z.T. Abfeiern eigener Homophobie und Heteronormativität der Autoren, sowie dauernden Schwanzvergleichen auf seine Kosten kommen. Jenseits von Objektivität kann man nämlich dann doch so manche wahrhaftigen Erlebnisse nachlesen. Gefallen hat auch die Rubrik „Man munkelt, tuschelt und erzählt sich…“ und die klare Trennung zwischen Berichten vom FC Hansa und Länderspielen, wie auch Hopping-Sachen.
Zwei Euro Fünfzig sind nicht die Welt, weshalb ich an dieser Stelle den Kauf mal doch noch empfehlen möchte, damit sich die geneigten Leser meines Blogs ein eigenes Bild verschaffen.

Wenn „Experten“ aus dem Nähkästchen plaudern…

… kommt nicht nur raus, was nicht unbedingt an die Öffentlichkeit kommen soll, sondern mit unter auch eine Menge Stuss. So erneut geschehen im ultras.ws-Forum. Dort präsentiert sich ein Hansafan als Szenekenner und plappert bezüglich Unique Rebels1 auch gleich mal drauf los. Das Ziel ist aus früheren Episoden bekannt: Diskreditierung.

Dass die Gruppe nichts zu melden, Fahnenverbot und eine „Waschlappen“-Mitgliederstruktur hat, weiß er zu berichten und will damit klar machen: die gehören gar nicht wirklich zu Hansa, die zählt ihr bitte und besser nicht zu uns. Links und Hansafan sein, das gehört sich offenbar nicht und möge bitte auch nicht zum FCH gezählt werden.
In welchem Widerspruch sich der Autor damit angesichts dessen bewegt, dass diese Gruppe dann offenbar doch einen gewissen Sympathisantenkreis hat, in Teilen selbst lang genug in der führenden Gruppe (führend) aktiv war2 und auch nicht die erste links-alternative Organisierung bei Hansa5 ist, scheint ihm nicht klar zu sein.
Angesichts dieser Auseinandersetzungen sollte eine Debatte über Ultra an und für sich dann mal intensiv geführt werden oder solche gelaufenen Debatten mal zu Kenntnis genommen und dementsprechend mal eine Einordnung vorgenommen werden.
Ich für meinen Teil verstehe darunter nämlich mehr als ein bloßes Daumendrücken für den Verein, Basteleien von Choreographien, saufen auf Fahrten und zünden von Pyrotechnik, sondern eine kulturelle Einheit, die all das mit einschließt, was diese Kultur und ihre Akteure bewegt, fasziniert und auch nur tangiert. Das meint ein Engagement für den Verein, das Meinungen – und auch die politischen – nicht an Eingangstür und -Tor von Stadion und Szene-Raum abgibt, sondern eben auch die Kultur von Musik, Umgangs- und Kommunikationsweisen nach innen und außen, Debatten und Organisierung3 einschließt.
Inwiefern sich eine Gruppe, wie die Unique Rebels, die ein Fanheft rausgeben, Konzerte6 und Diskussionsveranstaltungen organisieren6, das Stadion als Aktive besuchen und sich damit auch noch auf den FC Hansa Rostock beziehen, dementsprechend nun der dortigen Ultraszene zurechnen lassen (dürfen) oder nicht, obliegt dann einerseits der Sache, ob man diese Deutung von Ultra teilt4, und andererseits was man für eine Vorstellung von Szene hat, die doch letztendlich für die Gesamtheit der Fans steht oder stehen sollte. Dass die Unique Rebels Ton-angebend sind, hat niemand behauptet. Ein Teil dieser Szene sind sie aber, ob das nun andere Teile wollen oder nicht, trotzdem allemal. Inwiefern eine solche Vielfalt der Szene nicht zuträglicher ist, als die Einfalt, die mancherorts durch die Diskreditierung geradezu beschworen wird, sei mal als Debatte in den Raum gestellt.

  1. Von diesen bin ich im Übrigen nach wie vor kein Mitglied. Die Vehemenz, mit der manche Kreise allerdings gegen diese Gruppe, ihren Ursprung und Ausrichtung vorgehen, offenbart allerdings so manche Abgründe, deren Bereinigung für die Lösung des Problems m.E.n. sehr hilfreich wäre. [zurück]
  2. Das diese Leute bekanntermaßen aus freien Stücken die Gruppe Suptras Rostock verlassen haben, verdreht er, wenn er schonmal bei der Diskreditierung ist, gleich mal in einen Rauswurf. [zurück]
  3. Womit Ultra mal ziemlich abstrakt bestimmt wäre und wie es i.d.R. aus den Ultra-Nationen bekannt ist. [zurück]
  4. Wenn nicht, dann sollte Ultra (an dieser Stelle) vielleicht mal geklärt werden, damit derartige Widersprüche nach Möglichkeit aus dem Raum geschafft werden. [zurück]
  5. Zu erwähnen wären hier z.B. mal die Ropiraten Rostock. [zurück]
  6. Sie sind – passenderweise – damit ja geradezu als Kulturbereicherer zu bezeichnen! [zurück]

„Das ist Schnee von morgen.“

Uni vorbei und auf fast direktem weg nach Hause gekommen, liegt da endlich, irgendwie reingequetscht ein dickerer Umschlag um Briefkasten. Zwei Fanzines aus Rostock, HdZ und Flaschenpost, haben mich nach 1 1/2 Wochen Wartezeit erreicht. Freudig gespannt öffne ich das Kuvert. Nach dem ersten Querlesen stellt sich Ernüchterung ein. Sollte der Tag dann doch komplett in die Hose gehen?
Nach kurzem Toilettengang und einem gescheiterten Versuch Mittagsschlaf zu machen, lese ich weiter. So schlecht scheint es ja doch nicht zu sein. Stück für Stück arbeite ich mich durch die Revival-Ausgabe des einstigen Infoheftes. Phasenweise stellt sich Trübsal ein, aber die vielen Zeilen nachdenklicher Berichte wecken irgendwie auch wieder Mut etwas zu schaffen. Optisch und vom Aufbau her ist noch einiges zu verbessern, aber es scheinen die Sonnenstrahlen durch, dass wieder kritischere Stimmen aus dem hohen Norden offen zu Wort kommen und einer Konfrontation mit einigen unpolitischen Helden nicht aus dem Weg gehen wollen. Wie passend, dass heute in Berlin tatsächlich einer der ersten Sonnentage im Jahr ist. Inhaltlich haben es mir dann die Rezensionen unterschiedlicher Fanzines aus der ganzen Republik angetan. In den nächsten Tagen werde ich mich weiter durchkämpfen und vielleicht schreibe ich auch noch was zur vorerst letzten Flaschenpost.

…kommt von irgendwo ein Lichtlein her.

Eine frohe Kunde macht die Runde: Die Hinter dem Zaun! wird wieder erscheinen. Zwar ändert sich das Konzept, aber das soll nicht stören. Die Flaschenpost geht dann wohl. Die HdZ geht in die Riege der Fanzine über und erscheint dann wohl nicht mehr zu jedem Spieltag.
Bleibt zu hoffen, dass damit mal wieder ein Zeichen wieder in die richtige Richtung gesetzt werden kann.
Ich wünsch der neuen alten Redaktion viel Glück dabei.
Widerstand lässt sich nicht verbieten!

Rostock vs. St.Pauli 09/10 | Part 3

Das Spiel ist rum und natürlich findet sich auch wieder eine erste Einschätzung als Augenzeugenbericht auf Indymedia, unter der auch noch ein ganz vernünftiger Kommentar(siehe Polithooligan) ist.
Insgesamt doch ein recht ereignisreicher Abend, der den Titel Derby auf jedenfall verdient hat.
Angefangen bei einer gehörigen Portion Rambazamba mit der Polizei aus Berlin, über einige ganz witzige Transparente im Rostocker Ultra-Block und Tächtelmächtel im Stadion, bis hin zu einem Derby-würdigen Abschluss der Marke …und auf den Straßen geht’s jetzt los!
Das Spiel war für die Gastgeber dann doch eine bittere Sache. Gut gespielt und dann zum Ende zwei Tore, die schon irgendwie in der Luft lagen und den Hamburgern den Sieg bescherten.
Zur anderen Hälfte spar ich mal die Worte oder erledige es mit dem mitschwingenden Urteil über das inzwischen nicht mehr ganz so neue Infozine aus der aktiven Szene Rostocks:
Ich will die Hinter dem Zaun zurück!

Zum Abschluss kann man wohl von einem sehr gelungenem Abend sprechen.

Sankt Pauli bekennt sich nach einem schwachen Auftritt immernoch aufm Deck zu stehen...

...und die Rostocker Häme.