Cantona - Superstar! http://ericcantona.blogsport.de Rowdytum & Trunkenheit Sun, 13 May 2018 18:09:36 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en Ewige Tabelle der Nachwende-Oberliga 2017/2018 http://ericcantona.blogsport.de/2018/05/13/ewige-tabelle-der-nachwende-oberliga-20172018/ http://ericcantona.blogsport.de/2018/05/13/ewige-tabelle-der-nachwende-oberliga-20172018/#comments Sun, 13 May 2018 18:05:59 +0000 Jimbo Jones Allgemein http://ericcantona.blogsport.de/2018/05/13/ewige-tabelle-der-nachwende-oberliga-20172018/ Zwei Jahre nach der letzten Rechnung habe ich mich nun mal wieder rangesetzt und die letzten beiden Spielzeiten eingerechnet. Warum das Ganze? Wer sich fragt, wer jenseits tagesaktueller Positionen die erfolgreichsten Teams aus dem Osten sind, der kommt um den Blick auf die Langzeitperspektive nicht drumrum. Grund genug, die Idee einer Nachwende-Oberliga von Frank Willmann weiter zu pflegen. (Wer dazu mehr wissen will, dem sei das Buch „Zonenfußball“ empfohlen!)

Nun also ist heute die neueste Tabelle komplett geworden und so hat sich auch ein bissschen was in der fiktiven Oberliga getan. Manche haben sich hochschieben können. Manche sind dichter aneinander gerückt. Der Schmutz aus Leipzig konnte einige Punkte und zwei weitere Ost-Meisterschaften verbuchen. Ansonsten erwähnenswert, dass sich der 1.FC Magdeburg gegenüber der letzten Rechnung gleich zwei Plätze verbessern konnte. Als erster und bisher einziger Verein hat der F.C. Hansa die 300er-Marke geknackt. Neben den Rostockern sind es der 1.FC Union und die Clubs aus Karl-Marx-Stadt sowie Erfurt, die sich bisher in jedem Jahr seit der fußballerischen Wiedervereinigung in der Nachwende-Oberliga platzieren konnten. Ob die Letzteren beiden auch im nächsten Jahr noch diesen Ehrentitel tragen dürfen, steht angesichts des Abstiegs in die Regionalliga Nordost in den Sternen. Sie müssten sich dafür mindestens unter den Top-Vier der 4.Liga platzieren. Wenn Energie Cottbus die Relegation verpatzt, wird sogar eine Top-Fünf-Platzierung ausreichen.
Kommen wir zum Regeltum: Gemäß der Zahl an Mannschaften in der echten DDR-Oberliga waren 14 Plätze zu vergeben. Alle ostdeutschen Clubs wurden über die Ligen hinweg erfasst. Angefangen bei Platz 1, der 14 Punkte bekam, fiel die Liste dann zu Platz 14 ab, der nur noch 1 Punkt bekam. In Addition der früheren Jahre ist herausgekommen: die ewige Nachwende-Oberliga 2017/2018 und damit eine Aussage zu den langfristig erfolgreichsten Ostklubs. Bitte. Danke. Alles für die Statistik!

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Peter Czoch: Ultras in Deutschland http://ericcantona.blogsport.de/2016/09/15/peter-czoch-ultras-in-deutschland/ http://ericcantona.blogsport.de/2016/09/15/peter-czoch-ultras-in-deutschland/#comments Thu, 15 Sep 2016 11:00:28 +0000 Jimbo Jones Literatur Ultras http://ericcantona.blogsport.de/2016/09/15/peter-czoch-ultras-in-deutschland/ Mitte 2016 sind zwei neue Bücher über Ultras erschienen, die sehr ähnliche Anliegen haben: Eine Sicht auf und in die Ultrakultur aus unter anderem wissenschaftlichen Positionen heraus zu vermitteln. Das Buch ‚Ultras – Eine Fankultur im Spannungsfeld unterschiedlicher Subkulturen‘ von Gabriel Duttler und Boris Haigis ist in erster Linie ein wissenschaftliches Buch. Das wird schon durch den transcript-Verlag deutlich, der auf wisssenschaftliche Literatur spezialisiert ist.

Kurze Zeit danach kam dann auch ‚Ultras in Deutschland‘ heraus.1 Es versucht verschiedene Zugänge zu den Ultras zu ermöglichen. So gibt es eine Reihe wissenschaftlicher Artikel, etwa zur Geschichte der Ultras in Italien (Marcus Sommerey) und Deutschland (Peter Czoch), zu Männlichkeitsbildern (von Simon Volpers) und dem Verhältnis der Ultras zu den immer stärker kundenorientierten Vereinen (von Steven Adam), aber auch zur Kritik an der Datei Gewalttäter Sport (von Sandra Müller) oder den Berichten der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze der Polizei NRW (von Jonas Gabler). Wer es kultureller mag, den dürften die Artikel zum Vergleich der Ultras mit der Graffiti-Kultur (von Philip Degenhardt) oder auch zur jugendlichen Identitätssuche (von Melanie Fiedler) interessieren.

Nun sind aber wissenschaftliche Artikel nicht für jeden und jede etwas. Das liegt auf der Hand, sind sie doch nicht selten trocken, verschachtelt und überhaupt nicht spannend genug. Auch diese Leute gehen allerdings bei ‚Ultras in Deutschland‘ nicht leer aus, was sicher eine Stärke des Buches ist. Neben Fanzine-Texten der Coloniacs haben Ultras auch selbst an diesem Buch mitgeschrieben und es so auch nochmal mit subjektiven Ansichten bereichert. Nichtzuletzt seien die ausführlichen Interviews erwähnt, die deutlich aus dem herausfallen, was Kenner aus Fanzines über die Szene bereits mitbekommen haben. Hier kommen Einzelpersonen zu Wort und erzählen nicht nur von der Ultra-Kultur, sondern auch aus ihrem Leben und ihren persönlichen Ansichten. Jenseits der schönen Maskerade, die manche Gruppe und Fanszene aufbaut, darf man an dieser Stelle also mal hinter die Fassade gucken. Und auch wenn sich über die eine oder andere Auswahl der Personen streiten lässt, zeigen diese Interviews doch sehr schön auf, wie unterschiedlich die Ultras sind, dass sie eben nicht nur die Choreo-Profis und Gesangsdirigenten sind, sondern sich – wenn auch nicht immer offiziell – mit politischen Themen beschäftigen und sich in manchen Aspekten kaum vom Rest der Gesellschaft unterscheiden. Insbesondere die rund 50 Seiten lange Diskussion zwischen den Exil-Ultras, die in Berlin leben, lohnt sich. Wie auch die anderen Interviews ist dieses Gespräch in voller Länge abgedruckt und gibt einen schönen Einblick in eine bisher relativ wenig beachtete Teilgruppe der Ultras.

Dem Konzept vieler Bücher aus dem Hirnkost-Verlag, der aus dem Archiv der Jugendkulturen entstanden ist, folgend, kommen also die „Alltagsexperten“ zu Wort, wie es in der Einleitung heißt. Wer den Blick auf die Ultra-Kultur auch mal ohne Fanzine werfen will, bekommt mit diesem Buch einen interessanten Eindruck.

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Ewige Tabelle der Nachwende-Oberliga 2015/2016 http://ericcantona.blogsport.de/2016/05/23/ewige-tabelle-der-nachwende-oberliga-20152016/ http://ericcantona.blogsport.de/2016/05/23/ewige-tabelle-der-nachwende-oberliga-20152016/#comments Mon, 23 May 2016 19:29:19 +0000 Jimbo Jones Allgemein http://ericcantona.blogsport.de/2016/05/23/ewige-tabelle-der-nachwende-oberliga-20152016/ Und da ist auch schon die nächste Nachwende-Liste. Nun ist nämlich auch endlich die Regionalliga Nordost zu ihrem Saisonende gekommen und damit haben sich auch endlich die letzten drei Teams platziert, denn Zwickau stand ja schon etwas länger als beste Ost-Mannschaft der 4.Liga fest.

Wie immer wurden die besten 14 Teams aus den Neuen Bundesländern (ohne Westberlin) gelistet und absteigend 14 bis 1 Punkt(e) vergeben. Verändert haben sich oben eigentlich nur die Punktestände und damit auch die Durchschnittspunkte. Unter den zweiten Fünf tauschen Erfurt und Jena die Plätze, weil die Zeisser diesmal und damit erstmals nicht unter den besten 14 Ossis sind. So bleiben in der Liste der Clubs, die immer dabei waren nur noch Hansa, Union, Chemnitz und die Erfurter. In dieser Saison gibt es auch wieder einen Neueinsteiger: Die Überaschungself aus Neugersdorf sicherte sich den 14.Platz.
Weil es nach der letzten Listung Beschwerden gab, wurde entschieden, die Werbekampagne aus der Messestadt numerisch weiter zu listen, um die Erfassung nicht nachträglich zu verzerren. Wir sparen uns an dieser Stelle aber die Nennung des Unternehmens.

Letztlich ist zu sagen, dass nach einem Vierteljahrhundert gesamtdeutschem Fußball die ewige Nachwende-Oberliga weitestgehend verfestigt ist und sich gerade in den höheren Regionen nicht allzu viel tut, wenngleich sich Saison für Saison natürlich einiges verschoben hat. Hansa wird dennoch eine ganze Weile auf Platz 1 bleiben und in der Spielzeit 2016/2017 als erstes Team die 300 Punkte-Marke knacken.

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Ewige Tabelle der Nachwende-Oberliga 2014/2015 http://ericcantona.blogsport.de/2016/04/19/ewige-tabelle-der-nachwende-oberliga-20142015/ http://ericcantona.blogsport.de/2016/04/19/ewige-tabelle-der-nachwende-oberliga-20142015/#comments Tue, 19 Apr 2016 09:11:17 +0000 Jimbo Jones Allgemein http://ericcantona.blogsport.de/2016/04/19/ewige-tabelle-der-nachwende-oberliga-20142015/ Es war so lange so ruhig hier und auch der heutige Post wird nur die Statistik-Freunde bedienen. Wie schon vor drei Jahren habe ich mal die Nachwende-Oberliga der – diesmal – letzten zwei Spielzeiten zusammengetragen. Herausgekommen ist auch in diesem Fall die Langzeitperspektive auf die Frage, wer die beste Mannschaft aus Ostdeutschland seit der fußballerischen Wiedervereinigung ist.

Das Prinzip war wieder einmal, dass die Ostteams von Platz 1 bis 14 über die Ligen hinweg gelistet werden und abfallend 14 bis 1 Punkt(e) erhalten. An allen 24 Spielzeiten teilnehmend waren Hansa Rostock, Union Berlin, der Chemnitzer FC, Carl Zeiss Jena und Erfurt. Unter den ersten Zehn hat sich an den Platzierungen nichts geändert. Punktetechnisch hat der jeweils 9.Platz von Hansa Rostock den Vorsprung schmelzen lassen, aber Verfolger Cottbus bekleckerte sich auch nicht wirklich mit Ruhm. Aue und Chemnitz haben in den zurückliegenden Spielzeiten nun auch endlich die 200 Punkte-Marke geknackt. Erfurt schafft es auch diesmal nicht, die Rivalen aus Jena zu überholen und auch Halle hängt weiter hinter Magdeburg fest. RB Leipzig macht weiter einiges an Boden gut und konnte auch den ersten Ost-Titel feiern; um keine religiösen Gefühle zu verletzen, sind die Brause-Boys in kursiv mit Vorsicht zu „genießen“. Und auch einen Neueinsteiger gibt es: mit dem Regionalliga-Meistertitel platziert sich die TSG Neustrelitz.

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Komm schon, für diese eine Nacht! http://ericcantona.blogsport.de/2014/11/07/komm-schon-fuer-diese-eine-nacht/ http://ericcantona.blogsport.de/2014/11/07/komm-schon-fuer-diese-eine-nacht/#comments Fri, 07 Nov 2014 11:39:44 +0000 Jimbo Jones Allgemein http://ericcantona.blogsport.de/2014/11/07/komm-schon-fuer-diese-eine-nacht/

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George Tabori – Gefährten zur linken Hand http://ericcantona.blogsport.de/2014/08/24/george-tabori-gefaehrten-zur-linken-hand/ http://ericcantona.blogsport.de/2014/08/24/george-tabori-gefaehrten-zur-linken-hand/#comments Sun, 24 Aug 2014 21:31:09 +0000 Jimbo Jones Allgemein Literatur http://ericcantona.blogsport.de/2014/08/24/george-tabori-gefaehrten-zur-linken-hand/

»Ich werde tun, was ich kann«, unterbrach Farkas ihn und griff nach seinem Glas. »Auch wenn es herzlich wenig sein wird. Aber bitte verlangen Sie kein Interesse von mir. Natürlich hat Ihr unglücklicher Bruder meine Sympathie, aber erwarten Sie keine Sympathie für ihre politischen Ansichten. Politik ist wie…«
»Keine Aphorismen, bitte.« Giacobbe di Boccas Stimme knarrte wie eine sich öffnende Tür. »Ich weiß, daß Sie sich nicht für Politik interessieren, worunter Sie eine Reihe von aufgeblasenen Staatsbeamten verstehen, die sich brüsten, bereichern oder ermüdende Dekrete erlassen, deren Nichtbeachtung Sie sich leisten können. Sie sind überall der distinguierte Fremde: eine angenehme Rolle, die Sie erhaben macht über die Einheimischen; die anderen Menschen sind für Sie nun mal Einheimische, habe ich recht?
Meine Politik ist anders. Sie befaßt sich mit dem Brot des Fischers, den Geschlechtskrankheiten der Tagelöhner, mit kranken Kinderlungen, der steigenden Krebsrate bei Alten. Mit der Tiefe, auf deren Oberfläche Sie und das Paradiso nur herumtanzen. Ich sagte bereits, daß ich einiges von Ihnen gelesen habe und entnehme dem, daß Sie das Leben in erster Linie als Episode betrachten und die Geschichte als zufällige Aneinanderreihung fragwürdiger Anekdoten. Zwei Herren streiten sich um eine Frau. Das finden Sie wesentlich und zeitlos und legen damit nahe, daß diese Dinge vielleicht die einzigen konstanten Elemente in der Geschichte der Menschheit sind. Sehen Sie doch ein, daß ihre Ansichten hoffnungslos veraltet sind.«
»Das weiß ich, aber ich beabsichtige nicht, vorzupreschen«, antwortete Farkas.
»Aber genau das will ich von Ihnen«, sagte Giacobbe. »Heute abend noch.« Er trank mehr Wein. »In San Fernando kann es jeden Moment losgehen. Natürlich nur in kleinem Maßstab, aber Sie sind hier ein prominenter Beobachter, und das könnte uns Beachtung verleihen. Ich werde traurig, wenn ich an Ihre perfekt aneinandergereihten Sätze denke, wie Perlen. Nein, wachen Sie auf. Sie müssen erwachsen werden, Signor Farkas.«

Die fröhlichen Burschen von Ravenna. Seite 104f. Steidl-Verlag.

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In dubio pro reo? http://ericcantona.blogsport.de/2014/07/17/in-dubio-pro-reo-2/ http://ericcantona.blogsport.de/2014/07/17/in-dubio-pro-reo-2/#comments Thu, 17 Jul 2014 14:50:52 +0000 Jimbo Jones Allgemein Ultras Pyrotechnik http://ericcantona.blogsport.de/2014/07/17/in-dubio-pro-reo-2/ In den letzten Tagen habe ich noch einige Male über die ‚Causa Thein‘ nachgedacht. Nichtzuletzt veranlassen mich Gespräche mit Freunden und Bekannten, aber durchaus auch der Publikative-Artikel dazu, hier nochmal etwas nachzureichen.

An dieser Stelle will ich ausdrücklich betonen (da manch einer ja geneigt ist, nur zu lesen, was er lesen will), dass ich mit Thein selbst, wie im Weiteren geschrieben, lediglich 2012 über etwa drei bis vier Monate Kontakt und diesen nur über Facebook/Mail hatte und ihm zudem keine relevanten Informationen habe zukommen lassen. Genaueres darf ggf. auch über persönlichen Kontakt gern erfragt werden.

Voran möchte ich allerdings nochmal betonen, dass die Nennung einiger seiner Stationen, wie Fankultur.com, das Institut für Fankultur (IfF) in Würzburg oder die KoFaS, nicht den Eindruck erwecken sollte, dass diesen Stellen – auch heute noch – zu misstrauen ist, sondern bebildern sollte, dass Thein während seiner ‚aktiven Zeit‘ äußerst umtriebig war. Vielmehr sind mir die KoFaS und das IfF als kollegiale, ehrliche und engagierte Fans und Wissenschaftler bekannt, die um die Problematik wissen und mit der Aufarbeitung ihrerseits befasst sind. Zur KoFaS hat Jonas Gabler selbst bereits ein Statement (verifiziert) abgegeben:

Wie Jimbo Jones richtig anmerkt, war Martin Thein (und Jannis Linkelmann) an Treffen in der Vorgründungsphase der KoFaS beteiligt. Beide stiegen jedoch noch vor der offiziellen Gründung aus dem Projekt aus und waren damit nie Teil der Ende August 2012 gegründeten KoFaS-Gruppe. Seitdem bestand keine Zusammenarbeit mehr, folglich waren beide zu keinem Zeitpunkt in die inhaltliche Arbeit in unseren Projekten involviert.

Kommen wir nun wieder zu Thein und – weil ich das für nötig halte – auch zu meinen persönlichen Erfahrungen mit ihm. Kennengelernt habe ich Thein in erster Linie über Facebook, gelegentlich hatten wir auch Mail-Kontakt. Der bis dahin in Fan-Kreisen weitestgehend Unbekannte war seinerzeit auffällig interessiert an Informationen zu Fanszenen und möglichen Kontakten zu diesen. Nun war es insbesondere 2012 nicht ungewöhnlich, dass unbekannte Personen im Bereich der Fankulturforschung aufgetaucht sind, haben doch die Pyrotechnik-Diskussion und neue Projekte einige neue Gesichter hervorgebracht. Besonders hervorgestochen ist jedoch nur Thein, der, wie Publikative auch schon schrieb, auffällig rege Publikationen realisierte. Im Rahmen einer solchen bin auch ich mit ihm in Kontakt gekommen. Über eine ganze Weile schrieb er mich so auch regelmäßig, teils täglich, an.

Gegenstand unserer Gespräche war nicht nur ein, meiner Meinung nach, obflächliches Erkundigen nach meinem Befinden seinerseits, sondern auch – und nun wird es interessant – was ich von dieser und jener Fan- und Ultraszene und einigen Entwicklungen halte und was ich denke, wohin die Reise denn ginge. Dabei fragte er insbesondere danach, was ich von der Ultraszene beim 1.FC Köln halte und ob ich ihm Informationen zu den Strukturen in den Fanszenen bei den Geißböcken, aber auch bei meinem eigenen Verein, dem F.C. Hansa, geben könnte. Dies war schon seinerzeit auffällig und wunderte mich, wo er sich doch als ein an Fankultur Interessierter ausgab, der obendrein in Köln lebt(e) und insofern doch mehr oder minder Zugang zur dortigen Fanszene hätte bekommen können. Insofern, ich habe ja nun auch einiges über Ermittlungsbehörden im Fußball- und Politikkontext gelesen und gehört und weil bestimmte Informationen einfach nicht niedergeschrieben gehören, verblieb ich dabei, ihm oberflächliches Wissen, das er allein schon über das Internet hatte erfahren können, preiszugeben. Dass die Wilde Horde oder die Suptras an ihren jeweiligen Standorten die ultra-technischen ‚Hauptgruppen‘ sind, dürften ja selbst die hintersten Bild-Leser mitbekommen haben. Wieso ich jedenfalls einem mir weitestgehend Fremden Informationen, zumal vertrauliche, offenbaren sollte, leuchtete mir nicht ein. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Und auch in einem anderen Zusammenhang fiel er mir auf. Bei Gesprächen über andere Fan-Blogger und Fankulturforscher, die er kannte, fragte er mich etwa, was ich vom Anarcho-Tattoo eines Bekannten hielte. Irgendwann gerieten wir aneinander. Ich hatte ihm Unverständnis ob seiner, meiner Meinung nach, unkritischen Äußerungen entgegnet. Er wiederum schien genervt, dass ich dies einforderte und verwies auf ‚prominente Bekannte‘, die er damit nicht verprellen könne.

Martin Thein erschien zunächst als ein sehr engagierter und motivierter Kollege. Im Laufe der Zeit aber erweckte er zunehmend mehr den Eindruck, dass es ihm weniger als anderen um die Sache der Fankultur ginge. Vielmehr galt er mir und anderen bald als eine Art aalglatter Karrierist, der Informationen anderer abgreifen und zum eigenen Vorteil nutzen wollte. Dass er sich irgendwann von mit abgewendet hat, deutete ich anno dazumal als Geste, dass ich eben für diese Masche nicht zu haben und insofern für ihn uninteressant sei.

Nun allerdings, mit dem Wissen um seine – zumindest vormals gesicherte – Verfassungsschutztätigkeit, verändert sich selbstredend dieses Bild und die verschiedenen Puzzle-Teile ergeben eine andere Spur. In rechtsstaatlich verfassten Gesellschaften gilt bekanntlich die juristische Formel ‚in dubio pro reo‘, ‚Im Zweifel für den Angeklagten‘. Aber auch der Rechtsstaat kennt Ausnahmen von der Regel. Solche Ausnahmen stellen zum Beispiel Verfahren gegen kriminelle und terroristische Vereinigungen, also durchaus Verfahren politischer Justiz, dar. Hier gilt, dass, wo die Indizien ausreichen, eine Täterschaft, weil naheliegend, quasi erwiesen ist – oder eine Mitwisserschaft und insofern ein Beitrag zur Tat zu unterstellen ist. Die Ermittlungsbehörden und obendrein die Geheimdienste sind genau genommen die Kehrseite dieser politischen Justiz. Sie tragen Indizien zusammen und beobachten ganz grundsätzlich und unter ‚Beugung‘ des juristisch Erlaubten. Wenn also für die als Feinde ausgemachten Angeklagten rechtsstaatliche Prinzipien nur noch bedingt gelten sollen, wieso sollen sie dann für ihre Kehrseite, die Ermittlungsbehörden, in Gänze zur Anwendung kommen?

Die Puzzle-Teile, die nunmehr auf dem Tisch liegen, sind folgende: Bekanntlich gab es 2012 umfangreiche Ermittlungen gegen Teile der Kölner Fan- und Ultra-Szene. Gleichzeitig tobt im Land die Diskussion um die Ultras und ihr Stilmittel, die Pyrotechnik, das sie nicht ohne weiteres aufgeben wollen. Im Rahmen dessen erlebt auch die Fankulturforschung eine gewisse Blüte. Es entstehen neue Initiativen und Projekte. Aus einer Reihe neuer Gesichter sticht Thein heraus, ist anfänglich an einigen dieser Projekte beteiligt, beginnt ein breites Netzwerk aufzubauen und rege zu publizieren. Personen aus Fanszenen oder jenen, die Fanszenen nahe stehen und Einblicke haben, erscheint Thein als äußerst wissbegierig und insofern schon zu dieser Zeit mit unter auffällig. Irgendwann reißt der Kontakt bei etlichen Personen zu Thein ab.

Damals nahm ich an, dass er mit seinem Karrierismus teils an den bereits existierenden und resistenten Netzwerken gescheitert wäre und sich deswegen anderen Gruppen oder Themen zugewand habe. Zumindest war von ihm alsbald nichts mehr zu hören. Jetzt jedoch, mit dem Wissen um seine BfV-Tätigkeit, stellt es sich für mich so dar, dass – ich unterstelle hier nun die weitere Tätigkeit, weil in diesem Fall ‚in dubio pro reo‘ zum Schutz der Fanszene keine Anwendung zu finden hat – Thein für das Verfassungsschutz-Bundesamt unter Wahrung seiner Wissenschaftler-Rolle ermittelt hat und nach ausbleibenden Erfolgen (oder weil sich die Ultras dann nun doch nicht als in diesem Maße ’staatsgefährdend‘ erwiesen haben) abgezogen wurde und insofern vorerst von der Bildfläche verschwunden ist.

Sicherlich, diese Kette ist nur eine von Indizien. Solange jedoch ein Statement von Martin Thein weiterhin ausbleibt, werde nicht nur ich von seiner weiteren Tätigkeit beim Bundesamt für Verfassungsschutz ausgehen und sein Engagement als eines der Ermittlungsbehörden einordnen.

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Wer ist Martin Thein? http://ericcantona.blogsport.de/2014/07/03/wer-ist-martin-thein/ http://ericcantona.blogsport.de/2014/07/03/wer-ist-martin-thein/#comments Thu, 03 Jul 2014 11:54:07 +0000 Jimbo Jones Allgemein Ultras Sachsen http://ericcantona.blogsport.de/2014/07/03/wer-ist-martin-thein/ Es ist nun drei Jahre her, da Dr. Martin Thein auf die Bühne der Fankulturforschung getreten ist. Mit Jannis Linkelmann hat er dessen Master-Arbeit zu den Ultras Nürnberg, einer Feldstudie auf Basis von Interviews, unter dem Titel „Alles für den Club!“ veröffentlicht und in den folgenden zwei Jahren mit „Ultras im Abseits?“, „Mein erster Stadionbesuch“ und „Fußball – Deine Fans“ nachgelegt. Herausgestochen ist seinerzeit zum einen, dass er selbst kaum Beiträge verfasste, sondern mehr durch Interviews glänzte, die er im Rahmen dieser Bücher geben durfte. Zum Anderen war auffällig, dass er zu einem sehr breiten Spektrum an Teils renomierten und prominenten Personen Kontakte pflegt. Das muss per se nicht verunsichern, ist aber auffällig.

Über sein Vor- und anderes Leben war bis dahin nur bedingt bekannt. Als Politik- und Psychologiestudent promovierte er mit einer qualitativen Studie – also Interviews – über Neonazis in Deutschland unter dem Titel „Wettlauf mit dem Zeitgeist – Der Neonazismus im Wandel“. An der TU Dresden, wo er diese Doktor-Arbeit schrieb, ist bekanntlich auch Extremismus-Theoretiker Uwe Backes ansässig. Die Extremismus-Theorie, das wissen wir, ist nichtzuletzt inhaltlich-ideologische Arbeitsgrundlage des Verfassungsschutzes, seien doch sämtliche Extremisten einfach extrem und damit gleichermaßen gefährlich – egal welche Inhalte sie damit verfolgen mögen. Uwe Backes seines Zeichens, es erübrigt sich beinahe die Erwähnung, ist denn auch Berater des Verfassungsschutzes.

Kommen wir zurück zu Martin Thein, der sich da in seinen Veröffentlichungen mit einer wissenschaftlichen Mitarbeiter-Stelle am Institut für Sportwissenschaft in Würzburg rühmte und Mitbegründer sowohl der inzwischen viel beachteten Plattform „fankultur.com“ als auch des Instituts für Fankultur an der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg war. In diesem Zusammenhang durfte er auch dem Blickfang Ultra in Ausgabe 24 ein Interview geben. Darüber hinaus zeichnet er sich ebenso als einer der Mitbegründer der „Kompetenzgruppe Fankulturen und Sport bezogene Soziale Arbeit (KoFaS)“ aus Hannover verantwortlich, in der nunmehr unter anderem Gerd Dembowski, Gunter A. Pilz und Jonas Gabler arbeiten.

Das Jahr 2012 war auch jene Situation, in der nicht nur die öffentliche Sicherheitsdiskussion um Pyrotechnik und Gewalt geführt wurde, sondern in der auch bekannt wurde, dass die Polizei offenbar mit V-Leuten in den Fußballfanszenen operiere. Die Fußballfans, insbesondere die politisierten Ultras, werden also von den Behörden der Innenpolitik durchaus als Sicherheitsrisiko angesehen und entsprechend behandelt. Zu diesen Behörden der inneren Sicherheit gehören allerdings nicht nur die Polizeien und Kriminalämter, sondern auch die Landesämter und das Bundesamt für Verfassungsschutz. Würde man nun – mit einigen wenigen Ausnahmen in Leipzig, Cottbus, Aachen oder Chemnitz – unterstellen können, dass die unpolitische Welt des Fußballs für die Schlapphüte uninteressant sei, muss die Personalie Martin Thein dies grundsätzlich infrage stellen.
Denn wie nunmehr durch ein Buch über den NSU bekannt wurde, hat Thein für das Bundesamt für Verfassungsschutz als V-Mann-Führer gearbeitet. Offenbar war er also nicht nur Extremismus- oder Neonazismus-Forscher, sondern durchaus auch auf andere Art und Weise forschend tätig: Nämlich um für eine Behörde der inneren Sicherheit Informationen zu Gefährdern der öffentlichen und staatlichen Ordnung einzusammeln.

Auch wenn dies längst kein Beweis ist, dass Thein auch gegen die Ultras und andere Fußballfans derlei Tätigkeiten nachgegangen ist, macht es dennoch stutzig und sollte nicht ohne weiteres unkommentiert bleiben, weil damit für bestimmte Personen und Zusammenhänge Probleme und staatlicherseits hergestellte Gefahrenlagen verbunden sind. Wer ist Martin Thein? Was war seine Motivation vom Neonazismus- zum Fankultur-Forscher zu wechseln? Unterhält er weiterhin Kontakte zu organisierten Neofaschisten und dem Bundesamt für Verfassungsschutz?

Edit: Von Katharina König (MdL Thüringen) kommen noch zwei weitere Fragen. Ist Fankultur.com möglicherweise vom Verfassungsschutz finanziert? Greift das Bundesamt für Verfassungsschutz darüber möglicherweise Informationen über Ultras und andere Fußballfans ab?

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Quasi konsequent. http://ericcantona.blogsport.de/2014/04/21/quasi-konsequent-wie-der-juergen-zur-montagsquerfront-kam/ http://ericcantona.blogsport.de/2014/04/21/quasi-konsequent-wie-der-juergen-zur-montagsquerfront-kam/#comments Mon, 21 Apr 2014 19:05:22 +0000 Jimbo Jones Allgemein http://ericcantona.blogsport.de/2014/04/21/quasi-konsequent-wie-der-juergen-zur-montagsquerfront-kam/
Jürgen Elsässer, wer kennt ihn nicht? Krude ist eine gern verwendete Beschreibung für ihn. Als Wandler in der linken Welt hat er so wirklich alles durchlaufen, mit dem man sich gegen den – wie auch immer gearteten – Hegemon stellen kann. Als Mitglied im Kommunistischen Bund war das [der Hegemon] die in den Westblock eingebundene BRD. Nach dem Anschluss der vormaligen DDR war das der neue aufflammende völkische Nationalismus. So kam er zur Bahamas und wurde einer der Ur-Väter der antideutschen Bewegung. Als Fan der unterdrückten und verfolgten Völker, die sich ihrer Souveränität beraubt oder bedroht sehen müssen, wurde es alsbald die Junge Welt und zur Jahrtausendwende deren Spaltprodukt, die Jungle World, der er sich verschrieb.
Nungut. Die Völkerschaften und Feindschaften mögen das eine und das andere Mal gewechselt haben, aber in der Parteinahme für die Völker, da war er immer dabei. Und so behielt er seinen Kurs auch mit dem Irak-Krieg bei. In fleißiger links-reflexiver Manier begann er sich gegen die Antideutschen und sein inzwischen neues Projekt beim Konkret-Magazin zu wenden. Der zu bekämpfende Hegemon war nunmehr nicht mehr das eigene Land, sondern der US-Imperialismus, der reihenweise die Souveränitäten anderer Völker samt ihrer Staaten missachtet. Zumindest damit hat er – zugegebenerweise – etwas getroffen, allerdings mal wieder die völlig falschen – aber umso linkeren – Schlüsse gezogen: Auch hier wurde Partei genommen, wo doch die Wahl nur zwischen Pest und Cholera bestand.
In Gegnerschaft zu den USA landete er schließlich bei Kopp Online. Mit der Finanzkrise rief er eine Volksinitiative aus, die die Unterjochung unseres Volkes und anderer europäischer Völker durch das anglo-amerikanische Finanzkapital angehen wollte. Seine Kritik an Deutschland wandte sich zu einer Kritik der deutschen hegemonialen Politik. Von der Kritik zum Beispiel an eben jenen, die nicht ganz zufällig diese Politik qua Wahlen ins Recht setzen, war nun nichts mehr zu sehen. Das ist die Differenz und gleichzeitig Gemeinsamkeit seiner weltanschaulichen Praxis der letzten 25 Jahre. Damals wie heute ist es die unterdrückte Klasse – das Volk –, deren Partei er ergreift, weil sie eben von den Herrschenden unterdrückt werden. Weshalb er heute – im Gegensatz zur Wende-Zeit – durch und durch affirmativ mit diesen verkehrt, ist auch nicht schwer beantwortet: Waren ihm die Deutschen und der hegemoniale deutsche Nationalismus einst viel zu souverän und völkisch-bedrohlich, weil sie eine Einheit von Volk und Führerschaft suggerierten, ist ihm das Deutschland der Finanzkrise und mit diesem selbstverständlich das deutsche Volk viel zu wenig souverän, sprich: vom US-Finanzkapital unterdrückt.
Als einer der führenden Sprecher der rechten Montagsdemonstrationen sieht er sich nun im Aufwind. Die Teilnehmerzahlen der Kundgebungen steigen und Seit an Seit mit dem nicht weniger umstrittenen KenFM wettert er für den Frieden, der nur nicht aufrecht erhalten werden kann, weil sich Deutschland im Rahmen der EU zum Handlanger der US-Politik macht, die ukrainische Regierung unterstützt und gegen Putins Russland agiert. Russland und der Iran sind längst zu seinen Lieblingen geworden, bieten sie den USA doch die Stirn. Und während heute Sebastian Schmidtke und andere bekannte Faschisten aus Berlin und Brandenburg quasi direkt neben ihm auf dem Potsdamer Platz stehen, plärrt der alte Mann mit den grauen Haaren seinen Friedensdemonstranten entgegen:

Der wahre Antifaschismus steht hier auf dem Platz.

Witz hat der Typ schon irgendwie. Offen bleibt, wo seine Reise hingeht. Sein Weg für die Souveränität der Völker ist weniger krude als vielmehr konsequent. Die AfD dürfte ihm dafür wohl im Ganzen noch zu liberal sein.

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Wider den modernen Fußball? http://ericcantona.blogsport.de/2014/03/19/wider-dem-modernen-fussball/ http://ericcantona.blogsport.de/2014/03/19/wider-dem-modernen-fussball/#comments Wed, 19 Mar 2014 12:04:55 +0000 Jimbo Jones Allgemein http://ericcantona.blogsport.de/2014/03/19/wider-dem-modernen-fussball/

In Europa wurde das Berufsspielertum unter bürgerlicher Ägide ausgehandelt, was zur Folge hatte, dass die Spieler ihren sozialen Gewinn mit „politischer“ Entrechtung zu bezahlen hatten. Während zuvor – im Gegensatz zu Argentinien – völlige Bewegungsfreiheit bestand, was u.a. dazu führte, dass Spieler gleich für mehrere Klubs kickten und diese sich zu einem besonderen Anlass verstärken konnten, funktionierte das neue System, wie es erstmals 1893 in England eingeführt wurde, nun wie folgt: Sobald ein Spieler mit einem Verein einen Vertrag abgeschlossen hatte, dessen Laufzeit die Länge von einem Jahr zunächst nicht überschreiten durfte, wurde er vom Fußballverband registriert. Es war dem Spieler dann auch nach Ablauf seines Vertrages nicht gestattet, sich einem anderen Verein anzuschließen, ohne dass sein Verein ihn vorher freigab. […]
Nach der Einführung des Transfer- und Ablösesystems begannen die Spieler darüber nachzudenken, wie sie, die zum lebenden Teil des Klubinventars degradiert worden waren, ihre Interessen besser verteidigen konnten. Ein FA-Council-Mitglied namens C.E. Sutcliff sollte den nun folgenden Konflikt als einen zwischen „Herren und Dienern“ definieren.
1899 wurde in England die erste Fußball-Gewerkschaft gegründet, die jedoch zunächst nur wenig Zulauf erhielt. Am 2.Dezember 1907 konstituierte sich dann im Imperial Hotel zu Manchester die Professional Footballer’s Association (PFA), heute die weltweit traditionsreichste und berühmteste Kickergewerkschaft. Den harten Kern der Gewerkschaft bildeten die Spieler Manchester Uniteds, namentlich Billy Meredith, der erste Star des Profifußballs und zugleich dessen erster Rebell. Meredith, der aus dem sudwalisischen Bergarbeiterdorf Chirk stammte, vertrat die Position, die den Kernwiderspruch des Profifußballs, aber auch seine methodistische Erziehung reflektierte. Meredith bestand auf einer sauber geklärten Beziehung zwischen Sport und Geld. Fußballer sollten seiner Meinung nach zwar keine Vollprofis sein und ihren Unterhalt nicht allein mit dem Spiel bestreiten. Fußball war für Meredith in erster Linie Freizeitbeschäftigung. Doch da der Professionalismus nun einmal existierte, sollten die Profis wie alle anderen Berufstätigen das Recht besitzen, so viel wie möglich zu verdienen und sich selbst zu organisieren. Die Profis wurden zwar einerseits idealisiert und in Watte gepackt, aber andererseits befanden sie sich in einem demütigenden Abhängigkeitsverhältnis zu ihren Funktionären. Sie verfügten über mehr Freizeit als andere Arbeitnehmer, konnten (und durften) damit aber häufig nichts anfangen. Diese merkwürdige Mischung trug mit dazu bei, dass schon damals viele Profis der Alkohol- und Spielsucht verfielen.
Meredith und seine Mannen forderten die Beseitigung der Gehaltsobergrenzen sowie die freie Wahl des Arbeitsplatzes. Für die Fußballer sollten die gleichen Gesetze gelten wie für jeden anderen Arbeitnehmer im Land, und nicht die korrupten Regeln des Profifußballs, mit deren Hilfe „little shopkeepers“ (Meredith) das Schicksal der Kicker bestimmten. Der damalige Konflikt ist mit dem heutigen um das sogenannte Bosman-Urteil durchaus vergleichbar. Seitdem es den professionellen Fußball gibt, geht es immer wieder auch um die Frage, ob das Spiel für sich eine eigene Gesetzbarkeit beanspruchen darf.
Die PFA schloss sich der General Federation of Trade Unions (GFTU) an, was die FA auf die Barrikaden brachte. Denn die GFTU-Mitgliedschaft bedeutete nichts anderes, als dass sich die Profis mit der Industriearbeiterschaft vereinigten, den Fußball als einen weiteren Industriezweig betrachteten und sich selbst als Arbeiter. Dies stand im Widerspruch zur aristokratisch geprägten FA-Ideologie: „Die FA ersuchte um eine Grundsatzerklärung der Spieler, in der diese anerkennen sollten, dass sie anders seien; dass der Fußball eine besondere Welt sei, regiert von Männern, deren Klugheit aus alter Zeit stammte und wohlwollend war.“ (Harding)
Die GFTU-Mitgliedschaft beinhaltete zudem die Möglichkeit von Solidaritätsstreiks der Profifußballer mit „anderen“ Sektoren der britischen Arbeiterschaft – für die FA-Offiziellen eine grauenvolle Perspektive. Außerdem empfand man es als demütigend, dass man mit den Spielern Lohnverhandlungen führen musste.
Das Verhältnis zur GFTU war allerdings auch unter den Spielern umstritten. Die stärksten Befürworter einer Integration in die englische Gewerkschaftsbewegung waren Meredith und seine United-Mitstreiter, denen deshalb vom Verband das Gehalt gesperrt wurde. Die Gegner fanden sich vor allem bei den Nationalspielern, also dort, wo der Einfluss der FA am größten und das Gentlemen-Element am stärksten vertreten war. Letztlich entschied man sich gegen die Integration in die Gewerkschaftsbewegung – für ein weiteres halbes Jahrhundert blieb die Beziehung zwischen „Herren und Dienern“ bestehen.

Aus: Dietrich Schulze-Marmeling (2000): Fußball – Zur Geschichte eines globalen Sports. Göttingen: Verlag Die Werkstatt.

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